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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

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W  e  r  n  e  r.

afficirt  werde,  so  ergehe  es  ihr  wie  einem  leichten  Gegenstände
in  der  Nähe  eines  Schiffes,  dessen  Wcllenstrudel  auch  jenen
Gegenstand  gegen  seine  natürliche  Bewegungsrichtung  mit  sich
reisse.  Nur  hat  Wilhelm  vergessen,  sich  Rechenschaft  zu  geben
über  das  Missverhältniss  der  nach  seiner  Ansicht  natürlichen
Bewegung  der  Sonne  zu  der  derselben  aufgedrungenen,  zu
welcher  sich  erstere  wie  1  :  365  verhält;  welche  ungeheure
Hemmungen  erfährt  das  mächtige  Gestirn,  welches  während
der  Dauer  eines  einmaligen  natürlichen  Umlaufes  um  die  Erde
365mal  in  der  entgegengesetzten,  von  Aussen  ihm  aufgenöthigten
Richtung  die  Erde  umkreisen  muss!  Die  von  Wilhelm  so  entschieden ­
  bekämpfte  gegnerische  Ansicht  der  Peripatetiker,  die
schon  oben  zur  Sprache  kam,  war  wohl  zweifelsohne  die  natürlichere ­
  und  rationellere.
An  die  Erörterung  des  schiefen  Lage  der  natürlichen
Sonnenbahn  (Ekliptik)  knüpft  Wilhelm  von  Conches  seine
Auseinandersetzungen  über  die  Unterschiede  der  irdischen
Jahreszeiten  an.  Der  kalendarisch-astronomische  und  physikalische ­
  Theil  dieser  Auseinandersetzungen  sind  aus  Beda’s
Schrift  de  temporum  ratione 1  herübergenommen,  und  auch
die  mit  demselben  verbundenen  medicinisch-diätetischen  Regeln
werden  wohl  dasjenige,  was  Beda  hierüber  aus  älteren  Schriftstellern ­
  beibringt,  zur  Grundlage  haben,  obschon  Wilhelm  in
seinen  diesbezüglichen  Angaben  zunächst  auf  Constantin  den
Afrikaner 2  Bezug  nimmt.  Nach  gewöhnlicher  Annahme  —
bemerkt  Beda  —  fallen  die  beiden  Aequinoctien,  mit  welchen
man  Frühling  und  Herbst  beginnen  lässt,  auf  den  achten  Tag
vor  den  Kalendä  des  April  und  des  October,  die  beiden  Solstitien,
  mit  welchen  man  Winter  und  Sommer  beginnen  lässt,
auf  den  achten  Tag  vor  den  Kalendä  des  Jänner  und  Juli.
Da  aber  nach  den  aus  Anlass  der  Osterzeitbestimmung  angestcllten
  Berechnungen  der  Orientalen  und  Aegypter,  welche
letztere  sich  auf  derartige  Berechnungen  ganz  besonders  ver-1

  Vgl.  Beda  Rat.  Temp.  c.  30  u.  35.
2  Constantin,  an  der  Nordküste  Afrikas  geboren,  und  durch  seine  weiten,
aus  Wissensdrang  unternommenen  Reisen  in  die  entlegensten  Länder,
Babylon,  Indien  und  Äthiopien,  berühmt,  blühte  um  die  Mitte  des  eilften
Jahrhunderts  und  beschloss  sein  Leben  als  Mönch  von  Montecassino.
            
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