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W e r n e r.
afficirt werde, so ergehe es ihr wie einem leichten Gegenstände
in der Nähe eines Schiffes, dessen Wcllenstrudel auch jenen
Gegenstand gegen seine natürliche Bewegungsrichtung mit sich
reisse. Nur hat Wilhelm vergessen, sich Rechenschaft zu geben
über das Missverhältniss der nach seiner Ansicht natürlichen
Bewegung der Sonne zu der derselben aufgedrungenen, zu
welcher sich erstere wie 1 : 365 verhält; welche ungeheure
Hemmungen erfährt das mächtige Gestirn, welches während
der Dauer eines einmaligen natürlichen Umlaufes um die Erde
365mal in der entgegengesetzten, von Aussen ihm aufgenöthigten
Richtung die Erde umkreisen muss! Die von Wilhelm so entschieden
bekämpfte gegnerische Ansicht der Peripatetiker, die
schon oben zur Sprache kam, war wohl zweifelsohne die natürlichere
und rationellere.
An die Erörterung des schiefen Lage der natürlichen
Sonnenbahn (Ekliptik) knüpft Wilhelm von Conches seine
Auseinandersetzungen über die Unterschiede der irdischen
Jahreszeiten an. Der kalendarisch-astronomische und physikalische
Theil dieser Auseinandersetzungen sind aus Beda’s
Schrift de temporum ratione 1 herübergenommen, und auch
die mit demselben verbundenen medicinisch-diätetischen Regeln
werden wohl dasjenige, was Beda hierüber aus älteren Schriftstellern
beibringt, zur Grundlage haben, obschon Wilhelm in
seinen diesbezüglichen Angaben zunächst auf Constantin den
Afrikaner 2 Bezug nimmt. Nach gewöhnlicher Annahme —
bemerkt Beda — fallen die beiden Aequinoctien, mit welchen
man Frühling und Herbst beginnen lässt, auf den achten Tag
vor den Kalendä des April und des October, die beiden Solstitien,
mit welchen man Winter und Sommer beginnen lässt,
auf den achten Tag vor den Kalendä des Jänner und Juli.
Da aber nach den aus Anlass der Osterzeitbestimmung angestcllten
Berechnungen der Orientalen und Aegypter, welche
letztere sich auf derartige Berechnungen ganz besonders ver-1
Vgl. Beda Rat. Temp. c. 30 u. 35.
2 Constantin, an der Nordküste Afrikas geboren, und durch seine weiten,
aus Wissensdrang unternommenen Reisen in die entlegensten Länder,
Babylon, Indien und Äthiopien, berühmt, blühte um die Mitte des eilften
Jahrhunderts und beschloss sein Leben als Mönch von Montecassino.