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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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Für  eine  dämonische  Wirkung  hält  er  aber  auch  den  Wahnglauben, ­
  dass  ein  beim  Aufgange  des  Saturnus  gegossenes  ehernes
Menschenbild  wie  ein  Mensch  zu  sprechen  vermöge.  1  Wilhelm
bemüht  sich  durch  eine  Reihe  von  Gründen,  die  wir  bei  Seite
lassen,  die  Undenkbarkeit  dieses  Wahnes  darzuthun.  Die  Dämonen ­
  sind  auch  die  Urheber  der  Astrolatrie,  sofern  sie  durch
ihre  Zauberwerke  den  Glauben  der  Menschen  an  den  siderisclien
  Magismus  weckten  und  nährten.
Die  beiden  für  das  Erdleben  bedeutsamsten  und  einflussreichsten, ­
  nach  Wilhelms  von  Conches  Meinung  zugleich  auch
der  Erde  nächststehenden  Planetengestirne  sind  Sonne  und
Mond.  Die  Sonne  —  behauptet  Wilhelm  von  Conches 2  —
bewegt  sich  mit  allen  übrigen  Planeten  von  Westen  nach  Osten;
denn  sie  vollführt  ihren  Jahreslauf  dadurch,  dass  sie  die  Zeichen
des  Thierkreises  in  der  Richtung  nach  Osten  durchschreitet,
indem  sie  aus  jenem  Zeichen,  in  welchem  sie  zu  einer  bestimmten ­
  Zeit  steht,  stets  in  das  demselben  ostwärts  nächstgelegene
Zeichen  übergeht,  also  z.  B.  aus  dem  Zeichen  des  Widders  in
jenes  des  Stieres,  aus  diesem  in  jenes  der  Zwillinge  u.  s.  w.,
bis  sie  nach  Ablauf  eines  Jahres  wieder  im  Zeichen  des  Stieres
anlangt.  Allerdings  wird  sie  in  Kraft  des  täglichen  Umschwunges
des  Himmels  von  Osten  nach  Westen  auch  in  dieser  Richtung
bewegt;  dies  ist  jedoch  nicht  ihre  natürliche,  sondern  eine  ihr
von  Aussen  aufgenöthigte  Bewegung.  Es  gibt  freilich  Einige,
welche  sagen,  dass  jenes  Zurückweichen  der  Sonne  von  Zeichen
zu  Zeichen  in  der  Richtung  nach  Osten  eine  bloss  scheinbare
Bewegung  sei,  und  nichts  anderes,  als  ein  relatives  tägliches
Zurückbleiben  der  Sonne  hinter  der  täglichen  Bewegung  des
Fixsternhimmels  bedeute.  Wilhelm  glaubt  jedoch,  diese  Meinung ­
  schon  deshalb  verwerfen  zu  müssen,  weil  sie  die  Auctorität
Plato’s  gegen  sich  habe,  der  die  Bewegung  der  Sonne  von  Westen
nach  Osten  für  ihre  natürliche  Bewegung  erkläre.  Wenn  die
Sonne  nebenbei  doch  auch  durch  die  tägliche  Himmelsbewogung

siones  infligant  eis  interdum,  quibus  adscriptae  sunt,  et  contra  quos  fabricatae?
  Opinantur  autem  deceptissimi  liomines,  quod  taliä  fiant  per  virtutis
  imaginum.  Ibidem.
1  Univ.  I,  1,  c.  öl.
2  Subst.  phys.  IV;  Eiern,  philos.  II.
            
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