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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Kosmologie  und  Naturlehre  des  scholastischen  Mittelalters.

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rung  der  Planetenbewegung  zu  gewinnen.  Ein  Hauptinteresse
bat  er  daran,  zu  zeigen,  dass  die  dem  Fixsternlaufe  entgegengesetzten ­
  Bewegungen  in  den  oberen  Planetenkrcisen  schwächer
und  langsamer  sind  als  in  den  unteren.  Diese  Voraussetzung
wollte  sich  indess,  wie  Albert 1  mit  Abumasar  bemerkt,  an  der
von  Aristoteles  angenommenen  Reihenfolge  der  Planeten  nicht
erwahren;  Aristoteles  hält  Sonne  und  Mond  für  die  untersten
Planeten  und  stellt  demzufolge  den  Merkur  über  die  Sonne,
während  Merkur  seine  der  Bewegung  des  Fixsternhimmels
conträre  Bewegung  schneller  als  die  Sonne  vollendet.  Wollte
man  aber,  fährt  Albert  weiter,  mit  Ptolomäus  die  Sonne  als
mittleren  der  Planeten  über  Venus  und  Merkur  stellen,  so
wiederkehrt  derselbe  Fall,  dass  die  Sonne,  obschon  einer
höheren  Sphäre  angehörig,  ihren  conträren  Planetenlauf  schneller
als  die  einer  niederen  Sphäre  ungehörige  Venus  vollendet. 2
Gleichwol  glaubt  Albert  diesen  von  ihm  angenommenen  Tliatbefund
  mit  dem  von  Aristoteles  aufgestellten  Bewegungsgesetze
der  Planeteusphären  vereinbaren  zu  können; 3  und  Thomas
Aquinas  folgt  hierin  getreulich  seinem  Lehrer  Albert,  nur  dass
er  in  seinem  harmonisirenden  Ausgleichungsstreben  die  dem
aristotelischen  Principe  entgegenstehenden  Schwierigkeiten  noch
leichter  und  coulanter  als  Albert  zu  beseitigen  versteht.  Es
gibt  im  Universum  zwei  von  einander  grundverschiedene  Arten
von  Naturen  —  bemerkt  Thomas 4  —-  in  deren  einer  das  sempitern
  Dauernde  sich  darstellt,  während  die  Dinge  und  Wesen  der
andern  dem  Bereiche  des  Generabien  und  Corruptiblcn  angehören. ­
  Die  Naturen  der  ersteren  Art  haben  ihre  Heimath
vornehmlich  in  der  Welt  der  reinen  Geister,  die  der  Generation

1  De  coele  et  mundo  Lib.  II,  tract.  3,  c.  11.
2  Albert  hat  bei  dieser  Bemerkung'  nicht  das  wirkliche  Venusjahr,  sondern
den  synodischen  Umlauf  der  Venus  im  Auge.
3  Dicimus,  quod  distantia  orbis  inferioris  ad  ipsum  orbem  primum  non
attenditur  secundum  locum,  licet  frequenter  attendatur  in  loco,  sed  potius
substantialiter  attenditur  secundum  convcnientiam  vigoris  motoris  super
mobile  vel  differentiam  ipsius.  Et  ideo,  cum  nihil  prohibeat  aliquem
motorem  medium  magis  esse  vigorosum  super  suum  mobile  quam  sit  inferior ­
  eodem,  nihil  prohibet  intermediorum  aliquem  superiorem  esse  velocioris
  motus  quam  ejusdem  inferiorem.  L.  c.
4  De  coelo  et  mundo  lib.  II,  lect.  15.
            
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