Die Kosmologie und Naturlehre des scholastischen Mittelalters.
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rung der Planetenbewegung zu gewinnen. Ein Hauptinteresse
bat er daran, zu zeigen, dass die dem Fixsternlaufe entgegengesetzten
Bewegungen in den oberen Planetenkrcisen schwächer
und langsamer sind als in den unteren. Diese Voraussetzung
wollte sich indess, wie Albert 1 mit Abumasar bemerkt, an der
von Aristoteles angenommenen Reihenfolge der Planeten nicht
erwahren; Aristoteles hält Sonne und Mond für die untersten
Planeten und stellt demzufolge den Merkur über die Sonne,
während Merkur seine der Bewegung des Fixsternhimmels
conträre Bewegung schneller als die Sonne vollendet. Wollte
man aber, fährt Albert weiter, mit Ptolomäus die Sonne als
mittleren der Planeten über Venus und Merkur stellen, so
wiederkehrt derselbe Fall, dass die Sonne, obschon einer
höheren Sphäre angehörig, ihren conträren Planetenlauf schneller
als die einer niederen Sphäre ungehörige Venus vollendet. 2
Gleichwol glaubt Albert diesen von ihm angenommenen Tliatbefund
mit dem von Aristoteles aufgestellten Bewegungsgesetze
der Planeteusphären vereinbaren zu können; 3 und Thomas
Aquinas folgt hierin getreulich seinem Lehrer Albert, nur dass
er in seinem harmonisirenden Ausgleichungsstreben die dem
aristotelischen Principe entgegenstehenden Schwierigkeiten noch
leichter und coulanter als Albert zu beseitigen versteht. Es
gibt im Universum zwei von einander grundverschiedene Arten
von Naturen — bemerkt Thomas 4 —- in deren einer das sempitern
Dauernde sich darstellt, während die Dinge und Wesen der
andern dem Bereiche des Generabien und Corruptiblcn angehören.
Die Naturen der ersteren Art haben ihre Heimath
vornehmlich in der Welt der reinen Geister, die der Generation
1 De coele et mundo Lib. II, tract. 3, c. 11.
2 Albert hat bei dieser Bemerkung' nicht das wirkliche Venusjahr, sondern
den synodischen Umlauf der Venus im Auge.
3 Dicimus, quod distantia orbis inferioris ad ipsum orbem primum non
attenditur secundum locum, licet frequenter attendatur in loco, sed potius
substantialiter attenditur secundum convcnientiam vigoris motoris super
mobile vel differentiam ipsius. Et ideo, cum nihil prohibeat aliquem
motorem medium magis esse vigorosum super suum mobile quam sit inferior
eodem, nihil prohibet intermediorum aliquem superiorem esse velocioris
motus quam ejusdem inferiorem. L. c.
4 De coelo et mundo lib. II, lect. 15.