W e r n e r.
Gewalt auf die Erde wirken, dass er auf der Erdoberfläche
Alles mit sich reissen würde mul kein ruhiges Sichbilden und
Gestalten der Dinge statthaben könnte. Wilhelm bezeichnet
diese Ansicht von der natürlichen Richtung der Planetenbewegung
als die gewöhnliche, welche nur von den Peripatetikern
nicht getheilt werde, indem diese zufolge der Anschauung,
welche sie von ihrer essentia quinta hätten, eine derartige
Contrarietät der Himmelsbewegungen nicht zugeben zu können
glaubten. Wilhelm beschuldigt sie, durch sophistische Künste
den offendaliegenden Sachverhalt wegzuläugnen; sie sagen,
scheinbar weiche allerdings die Sonne Schritt für Schritt beständig
zu den ostwärts gelegenen Zeichen des Thierkreises
zurück, in Wahrheit aber werde sie tagtäglich durch die
schnellere Umdrehung des Fixsternhimmels überholt, und hiedurch
der Schein eines successiven Rückschreitons von West
nach Ost erzeugt. Wir hörten vorhin allerdings Albert den
Grossen eine ähnliche Erklärungsweise vortragen, und finden
hierin eine Bestätigung der Angaben Wilhelms über die diesbezügliche
Auffassungsweise der Peripatetiker seines Zeitalters,
unter welchen er den Helpericus ' namentlich hervorhebt. Sicher
aber ist, dass nicht alle Peripatetiker so dachten; und ebenso
liegt das Wesentliche der Anschauungsweise des Aristoteles
selber ganz anderswo, als in einer etwaigen principiellen Läugnung
des der Fixsternbewegung conträren Planetenlaufes.
Aristoteles knüpfte vielmehr gerade an die Theorie des Eudoxus
an, der, wie es heisst, 2 durch Plato veranlasst, die von der
Fixsternbewegung abweichende und derselben beziehungsweise
conträr entgegengesetzte Bewegung der Planeten durch die
Annahme mehrerer ineinander gegliederter Sphären jedes einzelnen
Planeten zu erklären gesucht hatte. Aristoteles vervielfältigte
die Zahl der von Eudoxus angenommenen Planetensphären,
wobei ihn der Gedanke leitete, den vermeintlichen
störenden Einfluss jedes oberen Systems auf das nächstfolgende
untere zu eliminiren, und eine freilich sehr zusammengesetzte,
aber auch für alle Einzelheiten ausreichende Erldä-1
Helpericus (Hilpericus = Chilperich), Mönch von St. Gallen, dem zwölften
Jahrhundert angehörig, Verfasser einer Schrift de Computo ecclesiastico.
2 Simplic. Schol. 498, 48.