Die Kosmologie und Natuiielire des scholastischen Mittelalters.
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In der Erklärung der Planetenbewegungen lehnten sich
die mittelalterlichen Kosmophysiker, wie sonst überall in der
Astronomie und Physik, an die Auctoritäten und Ueberlieferungen
des Alterthums an. Im Sinne der Alten bemerkt Beda, 1 die
Bezeichnung ,Irrsterne' erkläre sich daraus, dass die Planeten
eine der täglichen Drehung des Himmels entgegengesetzte
Richtung von West nach Ost verfolgen, obschon sie nebstbei
dem Bewegungszuge des Fixsternhimmels von Ost nach West
sich nicht zu entziehen vermöchten. In ihrer conträren Bewegungsrichtung
erscheinen sie wegen der Schiefe des Thierkreises,
bald tiefer bald höher stehend; nebstdem wirke auf
sie die Zugkraft der Sonnenstrahlen und mache, dass sie bald
retrograd, bald wenigstens stationär erscheinen. 2 In dieser
Weise sucht sich also Beda aus dem doppelten Verhältniss der
Planetenbahn zum Thierkreise und zur Sonneneinwirkung jene
Bewegungen zurechtzulegen, welche das Alterthum von seinem
geocentrischen Standpunkte aus durch die Theorie der Epicykel
erklärte; seine näheren Ausführungen hierüber sind aus der
Naturgeschichte des Plinius entlehnt. Wie Beda, nimmt auch
Wilhelm von Conches 3 eine der täglichen Bewegung des Firmamentes
entgegengesetzte Bewegung der Planeten als deren
natürliche Bewegung an, und sieht in ihr eine den Bestand
und das Leben der irdischen Welt schützende Vorkehrung;
bewegten die Planeten sich in gleicher Richtung mit dem Firmamente,
so würde der Umschwung dos Himmels mit solcher
Sane aether est ipsum elementum, aethra vero splendor aetheris est
(Univ. IX, 4). Diese Stellen legen unzweideutig dar, dass Albert nur
durch eine umdeutende Exegese die von ihm oitirte Stelle Hrabaus über
die Siebenzahl der Himmel seiner aristotelischen Kosmologie anzupassen
vermag. Nebenbei wird man allerdings auch das Unbestimmte in der
Auffassungsweise Hrabans, die eine solche Umdeutung zulässt, nicht verkennen
können.
1 Nat. rer. cc. 12 ff.
2 Radns autem solis praepedita anomala vel retrograda vel stationaria fiunt.
Wörtlich dasselbe ist bei Isidorus (Nat. rer. c. 22 und Origg. III. 65, 3)
zu lesen, mit dem Zussatze: Juxta quod et poeta mominit, dicens :
— — — — sol tempora dividit aevi,
Mutat nocte diem radiisque potentibus astra
Ire vetat, cursusque vag'os statione moratur.
(Lucan. Pharsal. X, 201 seq.)
3 Subst. phys., lib. IV.