Die Kosmologie und Naturlohre dos scholastischen Mittelalters.
317
kosmischen Elementarkörper ist in seinem Wesen durch die
entschieden iiberwieg'ende Mehrzahl einer bestimmten Art von
Elementartheilchen bestimmt.
Das Statthaben der Versetztheit eines jeden der vier
Elementarkörper mit Theilchen der übrigen Elemente lässt sich
eben so leicht zeigen, wie die Nothwendigkeit eines solchen
Versetztseins. So z. B. in Bezug auf das warmtrockene Feuer.
Das Feuer ist consumtiver Natur d. h. es verzehrt sich selber,
und verliert überdies, namentlich im Winter, einen Thoil seiner
selbst durch Verdichtung und Verwandlung in Luft. Die abgängigen
Theile des Feuers müssen ersetzt werden. Im Sommer
zieht es einen Theil des luftförmig gewordenen Wassers
an sich (ignis humore nutritur); um aber dasselbe an sich
ziehen und in sich verwandeln zu können, muss es das Angezogene
retiniren und digeriren. Die Retention wird durch das Kalt-Trockene
bewirkt, so wie die Concoction und Digestion durch
das Feucht-Warme. Also muss im Feuerelemente ausser dem
Warm-Troclcenen auch etwas Feuchtes und Kaltes sein. Wie
das Feuer von Unten Feuchtigkeit an sich zieht, so dringt es
seinerseits selbst auch abwärts, um die beiden unteren kalten
Elemente zu erwärmen; das Warme kann sich aber nicht
durch sich selber senken, sondern nur mittelst dessen, was
naturgemäss abwärts sinkt, und dies ist eben nur das Kalte.
Also muss in dem warm-trockenen Feuerelemente auch etwas
Kaltes sein. — In ähnlicher Weise lässt sich von den übrigen
Elementen zeigen, dass in jedem derselben etwas von der Natur
aller übrigen ist.
Es gibt vier Elemente, und es lassen sich, soweit man
sich auf den Standpunkt der naturphilosophischen Betrachtung
stellt, füglich nicht weniger als vier Elemente denken. Die zwei
Grundelemente sind Feuer und Erde, durch welche die Sichtbarkeit
und Greifbarkeit der Dinge vermittelt werden soll. Es versteht sich
von selber, dass das Feuerelement in einer specifischen Beziehung
zur Gesichtswahrnehmung, die Erde in einer speciiischen
Beziehung zur Tastwahrnehmung steht; gleichwohl muss das
Erdhafte auch zur Vermittelung der Gesichtswahrnehmung, und
umgekehrt das Feuer zur Vermittelung der Tastwahrnehmung
mitwirken. Das Feuer vermöchte durch sich allein die Seh-Wahrnehmung
nicht zu ermöglichen, weil der reine ungemischte