Werner. Die Kosmologie und Naturlekre de« scholastischen Mittelalters. 300
Die Kosmologie und Naturlehre des scholastischen
Mittelalters mit specieller Beziehung auf Wilhelm
von Conches.
Vom
o. M. Prof. I)r. Karl Werner.
Wilhelm von Conches, ein christlicher Platoniker, dessen
Wirken in die erste Iliilftc des zwölften Jahrhunderts fällt, 1 hinterliess
mehrere Schriften kosmolog-isclien und naturphilosophischen
Inhaltes, von welchen das Hauptwerk: Magna de naturis philosophia,
gegenwärtig nirgends mehr zu finden ist. 2 Ein von
Wilhelm selber angefertigter Auszug aus diesem Werke, die
Philosophia minor, ist ohne Zweifel dieselbe Schrift, welche
unter einem anderen Titel: llspi Stodijswv, sive elomentorum
philosophiae libri IV den Ausgaben der Werke des Beda
Venerabilis einverleibt sich findet. 3 Der Inhalt dieser zweiten
Schrift deckt sich fast völlig mit jenem einer anderen, welche
unter dem Titel: Dialogus de substantiis physicis als Werk
eines Wilhelmus Aneponymus während des sechszelmten Jahrhunderts
zu Strassburg im Drucke erschien; 4 der Titel der
1 Bezüglich des Biographischen und Bibliographischen ist zu vergleichen:
Charma, Guillaume de Conches. Notice biographique, litteraire et philosophique.
Paris, 1857. Ferner: Haureau, Singularites liistoriques et litteraires
(Paris, 1861) S. 231. ff.
2 Vgl. Charma, S. 31 ff. Haureau, S. 234 f.
3 Den Nachweis der bereits von Jourdain vermutheten Urheberschaft Wilhelms
von Conches lieferte Haureau in der Didot’schen Biographie universelle,
tom. XXII, Artikel: Guillaume de Conches, col. 667 — 673. Vgl.
Haureau, Singularites S. 237 ff.
4 Dialogus de substantiis physicis, ante annos ducentos eonfectus a Wilhelmo
Aneponymo pliilosopho. Itoin libri tres incerti auctoris ejusdem
ietatis: 1. de calore vitali; 2. de mari et aquis; 3. de flumiuum origine.