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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Egyptisclie  Einwirkungen  auf  hebräische  Culte.

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Seltsamer  nocli  ist  die  Ausführlichkeit  bei  der  Beschreibung ­
  des  Gebisses,  in  welchem  das  Kind  ausgesetzt  wird.
Fabius  Pictor,  der  eine  ganz  ähnliche  Aussetzung  aus  den
Anfängen  seines  Volkes  zu  berichten  hatte, 1  begnügte  sich  zu
erwähnen,  dass  die  römischen  Zwillinge  in  eine  Wanne  (oy.dcpy])
gesetzt  wurden.  Eine  solche  wäre  auch  für  unsern  Erzähler
ganz  ausreichend  gewesen.  Statt  dessen  meldet  er, 2  die  Tochter
Levi’s  ,nahm  ihm  einen  Kasten  von  Papyrus,  verkittete  ihn
mit  Asphalt  und  Pech  und  legte  das  Kind  hinein  und  legte
ihn  in  das  Schilf  am  Ufer  des  Flusses*.  Ein  ,Geräth‘  (keli)
von  Papyrus,  das  selbst  Jesaias  (18,  2)  als  egyptisches  Boot
gelten  lässt,  wäre  an  sich  verständlich  gewesen;  das  nur  hier
und  in  Noah’s  Geschichte  (Genesis  6—9)  vorkommende  Fremdwort ­
  ,Kasten*  (thebah)  verdeutlicht  aber  nicht  nur  nichts,  sondern ­
  die  durch  dasselbe  erweckte  Vorstellung  wird  unmittelbar
verändert.  Der  Zusatz  nämlich,  welcher  das  Verleimen  und
Verkitten  der  Papyrusblätter  beschreibt,  belehrt  uns,  dass  die
Tochter  Levi's  eigentlich  überhaupt  keinen  Kasten,  sondern
einen  Korb  nahm.  Der  Korb  aber  heisst  hebräisch  sal,  mit
dem  Artikel  ha-ssal. 3  Wozu  die  wunderliche  Umschreibung
und  die  Scheu  vor  eben  dem  Worte,  dessen  Vorstellung  verdeutlicht ­
  werden  soll?
An  dieser  Stelle  tritt  Manetho  ergänzend  ein,  nach  dessen
Bericht  der  Führer  der  Exodus  Osarsif  oder  vielmehr  ' 1  Osarsyi
geheissen  habe.  Bei  dem  nicht  seltenen  Wechsel  von  r  und  1

1  Bei  Dionys.  Halic.  antiqq.  I.  79.  Vgl.  Th.  Mommsen,  die  echte  und  die
falsche  Acca  Larentia  (Festgaben  für  Homeyer.  Berlin  1871)  S.  9.
2  Exodus  2,  :•!  mit  den  Erklärungen  Knobel’s  zu  Exodus  S.  11  und  zu  Genesis ­
 15  S.  87.
3  Es  ist  Lauth’s  Verdienst,  a.  a.  0.  S.  69  flgde.,  zuerst  auf  die  Möglichkeit
der  Deutung  von  Osarsyph  durch  sal  und  suf  hingewiesen  zu  haben;
aber  seine  Ableitung  des  Begriffes  ,Binsenkörblein 1  aus  den  egyptischen
Bedeutungen  dieser  beiden  Worte  scheitert  daran,  dass  sär  (=  sal)  nach
Brugsch,  Wörterbuch  IV.  1169,  nur  für  eine  bestünmte  ,zur  Nahrung
dienende  Pflanzenart 1 ,  im  Egyptischen  aber  niemals  für  Korb  oder  Körblein ­
  nachweisbar  ist.  —  Dass  sal  in  der  Bedeutung  von  Korb  ursprünglich ­
  semitisch  sei,  geht  aus  der  Gleichmässigkeit  dieser  Bedeutung  im
Hebräischen,  Arabischen  und  Syrischen  hervor.  Gesenius,  Wörterb.  s.  v.
4  Nach  Lauth’s  Versicherung  a.  a.  0.  die  Leseart  des  unserem  griechischen
vorzuziehenden  armenischen  Textes.
            
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