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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Quelle  entschieden  hinzuweisen.  Die  Beschäftigung 1  mit  den
Sprachen  und  Literaturen  Frankreichs  war  so  verbreitet  in
Italien,  dass  Reminiscenzen  daraus  sich  gar  leicht  in  die
Schriften  eines  Italieners  einschleichen  konnten.  Ich  bin  indessen ­
  doch  im  Stande  zu  zeigen,  dass  unser 1  Denkmal  in
einiger  Beziehung  zu  einer  nordfranzösischen  Fassung  der
Katharinenlegende  steht.
Die  Handschrift  der  Arsenalbibliothek  zu  Paris  B.  L.  Fr§.
305  enthält:  1
Fol.  1—4 V .  Verschiedene  Gebete  zu  Gott,  die  Jungfrau,
den  heil.  Michael.  Es  sind  Alexandriner,  zu  tirades  monorimes
verbunden.
Fol.  4 r —24 1 '.  Ein  Gedicht  in  achtsylbigen  Reimpaaren  über
den  Antichrist.
Fol.  24 v —25 v .  Lateinische  Gebete.
Fol.  26 1 '—67 r .  Ein  Katharinenleben.
Am  Schlüsse  des  ,Antechrist‘  liest  man:  Atum  est  hoc
m.  cc.  Ij.  die  iovis  festum  sei  thomei  apli  sup  cäce  polot~  In
gtrata  d’  inöteculis  in  (?)  v'oa.  d.  h.  super  carcere  Polorum  in
contrata  de  Monteculis  (Monteehi)  in  Verona.
Die  Schrift  der  folgenden  Stücke  rührt  von  der  nämlichen
Hand  her.
Der  erste  Tlieil  des  Katharinenlebens  stimmt  vielfältig
mit  unserem  italienischen  auf  das  Genaueste  überein;  nur  ist
die  französische  Fassung  weit  ausführlicher  und  gefällt  sich
besonders  in  minutiöser  Schilderung  nebensächlicher  Umstände.
Ja  selbst  Identität  der  Reime  (welche  aber  alle  eben  so  im
Französischen  als  im  Italienischen  tadellos  sind)  findet  sich  in
einer  ziemlich  beträchtlichen  Anzahl  von  Verspaaren.  Mit  der
Paradies-Vision  Katharina’s  hört  die  Uebereinstimmung  auf,  und
die  französische  Version  geht  ihren  eigenen  von  den  anderen
Fassungen  der  Legende  mehrfach  abweichenden  Weg.  Die  Genesis ­
  des  franz.  Gedichtes  —  welches  bald  das  franco-italische
Gepräge  erkennen  lässt,  bald  bis  auf  die  leicht  zu  bessernde

1  Schon  im  J.  1864  hatte  ich  diese  Hs.  in  Paris  untersucht  und  ein  paar
hundert  Yerse  vom  Antange  ahgesehrieben;  eine  vollständige  Copie  der
Legende  verdanke  ich  meinem  werthen  Freunde  Prof.  Dr.  Wendelin
Förster.
            
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