Quelle entschieden hinzuweisen. Die Beschäftigung 1 mit den
Sprachen und Literaturen Frankreichs war so verbreitet in
Italien, dass Reminiscenzen daraus sich gar leicht in die
Schriften eines Italieners einschleichen konnten. Ich bin indessen
doch im Stande zu zeigen, dass unser 1 Denkmal in
einiger Beziehung zu einer nordfranzösischen Fassung der
Katharinenlegende steht.
Die Handschrift der Arsenalbibliothek zu Paris B. L. Fr§.
305 enthält: 1
Fol. 1—4 V . Verschiedene Gebete zu Gott, die Jungfrau,
den heil. Michael. Es sind Alexandriner, zu tirades monorimes
verbunden.
Fol. 4 r —24 1 '. Ein Gedicht in achtsylbigen Reimpaaren über
den Antichrist.
Fol. 24 v —25 v . Lateinische Gebete.
Fol. 26 1 '—67 r . Ein Katharinenleben.
Am Schlüsse des ,Antechrist‘ liest man: Atum est hoc
m. cc. Ij. die iovis festum sei thomei apli sup cäce polot~ In
gtrata d’ inöteculis in (?) v'oa. d. h. super carcere Polorum in
contrata de Monteculis (Monteehi) in Verona.
Die Schrift der folgenden Stücke rührt von der nämlichen
Hand her.
Der erste Tlieil des Katharinenlebens stimmt vielfältig
mit unserem italienischen auf das Genaueste überein; nur ist
die französische Fassung weit ausführlicher und gefällt sich
besonders in minutiöser Schilderung nebensächlicher Umstände.
Ja selbst Identität der Reime (welche aber alle eben so im
Französischen als im Italienischen tadellos sind) findet sich in
einer ziemlich beträchtlichen Anzahl von Verspaaren. Mit der
Paradies-Vision Katharina’s hört die Uebereinstimmung auf, und
die französische Version geht ihren eigenen von den anderen
Fassungen der Legende mehrfach abweichenden Weg. Die Genesis
des franz. Gedichtes — welches bald das franco-italische
Gepräge erkennen lässt, bald bis auf die leicht zu bessernde
1 Schon im J. 1864 hatte ich diese Hs. in Paris untersucht und ein paar
hundert Yerse vom Antange ahgesehrieben; eine vollständige Copie der
Legende verdanke ich meinem werthen Freunde Prof. Dr. Wendelin
Förster.