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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Zur  Katliarinenlegende.'

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Auslautendes  -e  zu  -o,  in  allen  Fällen  ausser  im  Femin.
Plur.,  bekanntlich  ein  Merkmal  der  altveronesischen  Denkmäler
und  noch  heutzutage  mehren  Mundarten  Venetiens  eigen,  zeigt
sich  vielfach  in  unserer  Legende;  nur  wechseln  die  zwei  Laute
beständig  ab;  ein  und  dasselbe  Wort  erscheint  bald  mit  -o,
bald  mit  -e;  so  z.  B.  voxe  1153  voxo  1131;  der  Endung  -orem
entspricht  sowol  -ore  als  -ovo  u.  s.  w.;  sieh  auch  die  Verbalflexion. ­
  Gegen  eine  allgemeine  Einführung  von  -o  sprechen
hie  und  da  Reime  und  Assonanzen.  Wenn  nach  dem  Beispiele
von  V.  68  man  auch  V.  11  honoro  statt  -e  ansetzen  wollte,  so
würde  studiöe  nicht  gut  assoniren;  indessen  wäre  hier  mit
lionor  :  studib  abgeholfen.  Nach  cognosro  78  würde  man  gerne
enfrometero  (besser  -metro)  79  lesen>  aber  das  reimende  Wort
lutere  (od.  letre)  macht  es  räthlicher,  e  beizubehalten.  Ja  an
einer  Stelle,  1112,  muss  das  volo  der  Hs.  (:  roe)  der  Reinheit
der  Assonanz  zu  Liebe  zu  vole  verändert  werden.  Statt  se
auch  so,  freilich  in  der  Verbindung  so  no  284,  wo  ein  rückwirkender ­
  Wiederhall  des  o  von  no  erblickt  werden  könnte;  so
Mon.  ant.  A  120,  Fra  Paolino  (cod.  Marc.  cap.  49);  indessen
kommt  Mon.  ant.  B  293  auch  so  len  me  recordo  vor.  Do  statt
de  an  zwei  Stellen  vor  lionor  230  und  1065.
Vielfaches  Schwanken  zwischen  o  und  u:  mujere  28  und
mojero  40,  mundo  sehr  häufig  aber  auch  inondo  832,  pulcella  1
pole.  958.  Cum  erscheint  als  cun  9  und  con  12.  Auch  quomodo
weist  u  auf,  nicht  bloss  in  cum,  wo  Proklisis  angenommen
werden  kann,  sondern  auch  in  cumo.
Au  zu  cd  und  ol:  cildire  1101  oldi  206;  in  oy  =  audi  64
hat  der  Ausfall  von  d  die  Entwickelung  von  au 1  aus  au  verhindert. ­
  Daneben  freilich  auch  odi  546,  ode  331,  odire  547
und  audire  1155.  V.  330  lolda  ist  eine  Emendation  von  mir;
ich  hätte  auch  lalda  schreiben  können.  Ols  zu  ons  in  dem
bekannten  Beispiel  consci  19;  ein  anderes  kann  gefunden  werden ­
  in  alonsenga  995,  dem  (Et.  Wb.  I 3  255)  der  Stamm  laus-  zu
Grunde  liegt.  Es  kommt  übrigens  auch  losenga  1082  vor.
O'lcir  515  ist  der  bekannte  Fall  von  o  zu  au,  dann  zu  ol.  Ungis
860  Hesse  sich  aus  olcis  oncis  erklären.  Für  ancis  1141  scheint
dem  ital.  ancidere  (von  ine.,  E  W  IF  5)  gegenüber  gewagt,  a  statt
anlaut.  o  anzunehmen.  Bemerkenswerth  ist  schliesslich  arturio
389  arturiare  1051  statt  alturio,  dieses  aus  autorio  =  ajutorio.
            
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