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ointreten kann, um aus den verschiedenen möglichen Formen
diejenige herauszuheben, welche die der Tragödie eigenthiimliche
furcht- und mitleiderregende Wirkung am reinsten erzielt.
Er zählt zunächst die vorhandenen Möglichkeiten auf: sie kann
entweder erfolgen, wie Medea ihre Kinder mordet, wissend,
dass es ihre Kinder sind, oder so, wie Telegonus seinen Vater
Odysseus erschlägt und nach vollbrachter That in dem Erschlagenen
seinen Vater erkennt, oder endlich so, dass die beabsichtigte
That durch die rechtzeitig erfolgende Erkennung verhütet
wird. Denn, sagt er, es sind überhaupt nur vier Fälle
denkbar, entw'eder dass die That vollzogen wird oder nicht
vollzogen wird, und beides entweder zwischen Personen, die
einander kennen oder die einander nicht kennen. Von diesen
vier Möglichkeiten entfällt aber die eine, dass die unter einander
bekannten Personen beabsichtigte That im Augenblick
des Vollzuges durch ein äusseres Moment verhindert wird: sie
entfällt als untragisch und ist, obwohl einmal bei Sophokles
in der Antigone angewendet, im übrigen Gebrauch der Tragödie
nicht vorhanden. Die übrigen drei werden alsdann nach
ihrem Werth für die Tragödie in aufsteigendor Abfolge geordnet.
Besser nämlich als die eben als untragisch abgewiesene Form
ist es, wenn die tragische That unter einander bekannten Personen
vollstreckt wird, wirkungsreicher schon, wenn nach vollbrachter
That die Erkennung erfolgt, am tragischsten aber ist
der letzte Fall, wenn die Erkennung im rechten Moment dem
Vollzug der Gräuelthat zuvorkommt. Für diese letzte Weise
führt Aristoteles Beispiele an, 1. eine Tragödie Helle, die unsere
lückenhafte Kenntniss der griechischen Mythen und Tragödienstoffe
uns heute aufzuklären verwehrt, 2. die taurische Iphigenie,
in welcher die Erkennung in dem Augenblick erfolgt, in welchem
die Priesterin ihren Bruder Orestes und seinen Freund
Bylades der Göttin zum Opfer zu schlachten sich anschickt,
nnd 3. die Merope, deren Stoff — denn die Tragödie selbst
hat sich nicht erhalten — uns aus Hygin und aus Bruchstücken
bekannt ist: Kresphontes, König von Messenien, ist von Polyphontes
erschlagen worden, er und seine beiden älteren Söhne;
tan dritten, Telephontes, hat die Mutter, Merope, die nach
Kresphontes’ Tod Polvpliontes’ Gattin wurde, rechtzeitig zu entfernen
gewusst. Auf seinen Kopf hat Polyphontes einen Preis