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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

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ointreten  kann,  um  aus  den  verschiedenen  möglichen  Formen
diejenige  herauszuheben,  welche  die  der  Tragödie  eigenthiimliche
  furcht-  und  mitleiderregende  Wirkung  am  reinsten  erzielt.
Er  zählt  zunächst  die  vorhandenen  Möglichkeiten  auf:  sie  kann
entweder  erfolgen,  wie  Medea  ihre  Kinder  mordet,  wissend,
dass  es  ihre  Kinder  sind,  oder  so,  wie  Telegonus  seinen  Vater
Odysseus  erschlägt  und  nach  vollbrachter  That  in  dem  Erschlagenen ­
  seinen  Vater  erkennt,  oder  endlich  so,  dass  die  beabsichtigte ­
  That  durch  die  rechtzeitig  erfolgende  Erkennung  verhütet ­
  wird.  Denn,  sagt  er,  es  sind  überhaupt  nur  vier  Fälle
denkbar,  entw'eder  dass  die  That  vollzogen  wird  oder  nicht
vollzogen  wird,  und  beides  entweder  zwischen  Personen,  die
einander  kennen  oder  die  einander  nicht  kennen.  Von  diesen
vier  Möglichkeiten  entfällt  aber  die  eine,  dass  die  unter  einander ­
  bekannten  Personen  beabsichtigte  That  im  Augenblick
des  Vollzuges  durch  ein  äusseres  Moment  verhindert  wird:  sie
entfällt  als  untragisch  und  ist,  obwohl  einmal  bei  Sophokles
in  der  Antigone  angewendet,  im  übrigen  Gebrauch  der  Tragödie ­
  nicht  vorhanden.  Die  übrigen  drei  werden  alsdann  nach
ihrem  Werth  für  die  Tragödie  in  aufsteigendor  Abfolge  geordnet.
Besser  nämlich  als  die  eben  als  untragisch  abgewiesene  Form
ist  es,  wenn  die  tragische  That  unter  einander  bekannten  Personen ­
  vollstreckt  wird,  wirkungsreicher  schon,  wenn  nach  vollbrachter ­
  That  die  Erkennung  erfolgt,  am  tragischsten  aber  ist
der  letzte  Fall,  wenn  die  Erkennung  im  rechten  Moment  dem
Vollzug  der  Gräuelthat  zuvorkommt.  Für  diese  letzte  Weise
führt  Aristoteles  Beispiele  an,  1.  eine  Tragödie  Helle,  die  unsere
lückenhafte  Kenntniss  der  griechischen  Mythen  und  Tragödienstoffe ­
  uns  heute  aufzuklären  verwehrt,  2.  die  taurische  Iphigenie,
in  welcher  die  Erkennung  in  dem  Augenblick  erfolgt,  in  welchem ­
  die  Priesterin  ihren  Bruder  Orestes  und  seinen  Freund
Bylades  der  Göttin  zum  Opfer  zu  schlachten  sich  anschickt,
nnd  3.  die  Merope,  deren  Stoff  —  denn  die  Tragödie  selbst
hat  sich  nicht  erhalten  —  uns  aus  Hygin  und  aus  Bruchstücken
bekannt  ist:  Kresphontes,  König  von  Messenien,  ist  von  Polyphontes
  erschlagen  worden,  er  und  seine  beiden  älteren  Söhne;
tan  dritten,  Telephontes,  hat  die  Mutter,  Merope,  die  nach
Kresphontes’  Tod  Polvpliontes’  Gattin  wurde,  rechtzeitig  zu  entfernen ­
  gewusst.  Auf  seinen  Kopf  hat  Polyphontes  einen  Preis
            
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