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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 75. Band, (Jahrgang 1873)

Büdinger.

§.  8.  Josua's  ursprüngliche  Stellung.
Die  Forschung  nach  der  Art  egyptischer  Betheiligung  bei
der  Umbildung  des  Hebräervolkes  richtet  sich  zunächst  auf  die
hervorragendsten  Persönlichkeiten  der  Auszugsgeschichte.
Unter  denselben  ist  unzweifelhaft  hebräischer  Abkunft  der
spätere  Eroberer  des  cisjordanischen  Landes:  Josua.  Wir  haben
schon  früher  (§.  6  S.  465)  bemerkt,  dass  eine  authentische
Aufzeichnung  (I.  Chrom  7,  22  flgd.)  von  dem  Ansehen  und
Alter  seiner  Familie  Nachricht  gibt.  Seine  Zugehörigkeit  zum
Stamme  Ephraim  wird  aber  noch  ausserdem  durch  die  Thatsache
  erhärtet,  dass  er  als  Vertreter  desselben  unter  den  Botschaftern ­
  des  Volkes  zum  Ahnengrabe  von  Hebron  erscheint
(§.  7  S.  472).
Josua  wird  an  vier  Stellen  1  ,Mosis  Diener'  genannt;  dieser
Ausdruck  —  falls  er  überhaupt  nicht  jüngere  Zuthat  ist 2  —
kann  freilich  nicht  technisch  auf  ein  wirkliches  Dienstverhältniss
  gedeutet  werden.  Immerhin  ist  er  auch  Josua’s  Selbstbescheidung ­
  entsprechend;  denn  bei  und  nach  der  Eroberung
Palästina’s  hat  er  die  möglichst  pünktliche  Ausführung  aller
Anordnungen  Mosis  als  sein  oberstes  Lebensgesetz  betrachtet; 3
auch  die  beiden  Zwiegespräche  mit  demselben, 4  aus  denen  die
richtigere  Einsicht  des  Meisters  erhellt,  können,  trotz  der  poetischen ­
  Form  des  einen  Dialogs,  am  leichtesten  auf  Josua’s  eigene
bewundernde  Erzählung  zurückgeführt  werden.  Bei  Mosis  einsamer ­
  Gesetzgebungsarbeit  wird  er  allein  in  dessen  Nähe  genannt ­
  ; 5  ihm  allein  schreibt  mindestens  eine  und  wahrscheinlich
richtige  Quelle  das  Recht  zu,  ausser  Moses  und  den  Priestern

1  Exodus  24,  13;  Numeri  11,  28;  Josua  1,  1  und  Exodus  33,  11.  wo  ihm
dann  der  Titel  kanmTar,  d.  h.  wol  am  einfachsten  ,der  Kriegei"  schlechthin ­
  gegeben  wird.  Knobel  zu  Exodus  322,  versteht  mit  kühner  Anwendung
der  Feudalordnungen:  ,Knappe  des  Gottesgesandten*.
5  Knobel  zu  Josua  365,  Schräder  Einleitung  285,  die  den  Ausdruck  dem
Jahvisten,  bez.  prophetischen  Erzähler  zuschreiben.
3  Josua  11,  15;  8,  31  —  35.
4  Numeri  11,  26  bis  und  mit  29;  Exodus  32,  7  und  18  ,in  alten  Rhythmen 1 .
Exod.  24,  13;  32,  15  und  17.
            
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