Karls I. Wahl zum römischen Könige
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denburg gewesen waren, erblickten noch immer eine grosse
Gefahr für das Gelingen der Sache und riethen noch am
18. Mai, die Infantin mit dem Neffen des Chürfürsten von
Sachsen zu vermählen, der selbst mit dem Plane umging, Ludwig
von Böhmen zum römischen König zu machen. 1 Man erfuhr,
dass der Churfürst von Brandenburg in Strassburg französisches
Geld empfangen habe. Seine feindliche Gesinnung nahm eher
zu als ab, so dass man von seinen Intriguen das Schlimmste
zu erwarten hatte. Die Herzoge von Geldern, Mecklenburg,
Lüneburg, der Bischof von Münster, der Landgraf von Hessen
rüsteten im französischen Interesse. Man befürchtete, sie -würden
vor Frankfurt ziehen, Karls Wahl gar verhindern. Die
königlichen Gesandten in Augsburg rüsteten dagegen, die Karl
freundlich gesinnten Churfürsten zu schützen und den französischen
König von einem Einbrüche in Deutschland abzuhalten.
Noch 220,000 Goldgulden verlangten die Gesandten am 4. Mai.
In Tirol war ein Bauernaufstand ausgebrochen. Man fürchtete
eine Vereinigung der Aufständischen mit den Schweizern. Hatte
man schon 1517 auf dem Reichstage über das wüthende Gemüth
der deutschen Bauern geklagt, so war, was seitdem vorgegangen
war, die Verkündigung eines neuen Evangeliums und
der damit verbundenen Freiheit nicht geeignet, die Massen zu
beruhigen, die Gährung zu mindern. Für Karl selbst war die
Sache so weit gekommen, dass er siegen musste, oder er verlor
Ehre, Ansehen, Macht, Geld, Land und Leute. Man fühlte es
auch in Spanien sehr wohl. Der Cardinal Adrian, Bischof von
Tortosa, an der Spitze spanischer Bischöfe und Granden, wandte
sich in einem besonderen Schreiben an die Churfürsten,
ihnen ihren deutschen König, der mit seinen Reichen und
Ländern vom Osten an den Westen reiche, für das deutsche
Königthum zu empfehlen. Es war kein geringes Gewicht in der
Wagschale, als die spanischen Fürsten und Herren am 15. März
erklärten 2 , alle ihre Macht für die Würde des römichen Kaiser-1
Man stellte sich offenbar in Spanien die Sache viel leichter vor, als sie
wirklich war, daher auch die herbe Sprache Nassau’s und Pleine’s an
IC. Karl.
3 Goldast, Polit. p. 119.
Sitzungsker. d. phil -Inst CI. LXXIV. Bd. I. Hft. 6