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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

KaiTs  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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Von  allen  Agenten  am  klarsten  überblickte  noeb  immer  Herr
von  Berglies  die  Lage  der  Dinge.  Er  dringt  auch  jetzt  darauf, ­
  dass  das  Gelingen  der  ganzen  Sache,  wie  er  immer  gesagt,
vom  schwäbischen  Bunde  abhänge.  Dieser  habe  auch
darauf  bestanden,  dass  die  Schweizer  ihre  10,000  Mann  vom
Herzog  Ulrich  von  Würtemberg  abriefen.  Er  stellte  aber
insbesondere  die  Nothwendigkeit  dar,  dass  der  König  oder  sein
Bruder  nach  Deutschland  kämen,  schon  des  Zustandes  der  Erblande ­
  wegen, 1  wie  denn  Bottweil,  weil  es  sich  verlassen  glaubte,
sich  an  die  Schweizer  anschloss. 2
Margaretha  von  Oesterreich  rechnete  übrigens  sicher,  dass
an  dem  Tage  von  Wesel  der  Cardinal  von  Mainz  und  der
Pfalzgraf  für  König  Karl  seien,  der  Churfürst  von  Cöln
dazu  sich  neige,  der  von  Trier  durch  seinen  Kanzler  dafür  gewonnen ­
  werden  könne.  Der  Tag  zu  Wesel  brachte  auch  wirklich ­
  die  Sache  der  Entscheidung  näher,  erhöhte  aber  auch  die
Anforderungen  des  Pfalzgrafen,  der  mit  den  20,000  fl.  nicht
zufrieden  war,  die  man  ihm  in  Augsburg  verheissen,  die  Advocatur
  von  Hagenau,  unabhängig  vom  Wahlgeschäft,  für  sich
verlangte,  das  Beichsvicariat  in  Abwesenheit  K.  Karls  und  namentlich ­
  die  Zurückstellung  der  Briefe,  welche  ihn  compromittirten,
  v r as  die  Cölner  und  Mainzer  auch  begehrten.  Dem
königlichen  Unterhändler  Heinrich  von  Nassau  blieb  nichts  anderes ­
  übrig,  um  die  Angelegenheit  nicht  scheitern  zu  machen,
als  dem  Pfalzgrafen  noch  10,000  Goldgulden  zu  versprechen,
und  seine  Pension  um  2000  fl.  zu  erhöhen.  Nassau  war  überzeugt, ­
  dass  in  Folge  der  Conferenzen  zu  Wesel  Mainz,  Cöln,
Pfalz  auf  Seite  Karls  waren,  und  die  drei  Churfürsten  sich
bemühten,  auf  den  Trierer  einzuwirken.  Die  Sache  stand  auf
Spitz  und  Knopf.  Der  päpstliche  Legat  Orsini  mahnte,  Jemanden
zu  wählen,  welcher  durch  Ansehen,  Macht,  Erfahrung  sich  auszeichne, ­
  ebenso  bedeutend  als  Feldherr,  als  Staatsmann,  als
Kaiser  sei.  Ohne  K.  Franz  zu  nennen,  hatte  er  ihn  damit
bezeichnet.  Er  verlangte  ferner  von  den  in  Wesel  versammelten ­
  geradezu,  sie  sollten  den  König  von  Neapel  (Karl)  nicht

5  Fortwährend  hänfen  sich  die  Nachrichten  von  einer  in  Niederösterreich
drohenden  Revolution.  Yergl.  le  Glay  II.  ]>.  409.
3  Zürich,  23.  März  1519.  Mone  183G  p.  292.
            
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