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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

74

Hofier.

burger  Vertrag-  nicht  gebunden,  er  sei  gegen  die  goldene  Bulle
und  verletze  sein  Gewissen.  Armerstorff  gab  jedoch  zu  verstehen, ­
  dass  es  sich  hierbei  wohl  nur  um  seinen  Vortheil  handle.  1
Bereits  rührte  sich  auch  ein  neuer  Factor,  welcher  für  die  Wahl
entscheidend  werden  honnte.  Der  Graf  von  Königstein  gab
bereits  im  Namen  von  30  bis  40  Grafen  den  (rheinischen)  Churfürsten
  die  Erklärung  ab,  dass  sie  bis  zum  letzten  Blutstropfen
alles  aufbieten  würden,  die  Wahl  des  französischen  Königs  zu
hindern.  Der  Graf  von  Nassau  konnte  am  11.  März  berichten,  2
wie  sich  der  rheinische  Adel  in  Bonn  sammle;  man  möge  aber
ja  die  Bestellbriefe  ausfertigen  und  das  Geld  zur  Bezahlung ­
  der  Truppen  bereit  halten. 3  Der  schwäbische  Bund
Sickingen  und  die  rheinischen  Grafen  bildeten  allmälig  einen
dreifachen  Mittelpunkt  der  Cooperation  zur  Durchsetzung  der
Wahl  K.  Karls.  Allmälig  steigerten  sich  die  Bemühungen  der
Compaignons  (der  Agenten  und  Gesandten  K.  Karls)  im  Laufe
des  Monats  März  zu  einer  fieberhaften  Thätigkeit.  Endlich  war
auch  die  Ratification  des  Heirathsprojectes  der  Infantin  Katharina ­
  mit  dem  brandenburgischen  Erbprinzen  nach  Mecheln  zur
Erzherzogin  gekommen,  aber  es  fehlte  das  Siegel  Karls,  das
der  Infantin  war  unterwegs  gequetscht  und  unkenntlich  geworden, ­
  was  dem  Markgrafen  Verdacht  erregen  konnte.  1
Es  musste  daher  ein  neues  Siegel  angeschafft  werden.
Die  Gnadenbriefe  für  die  Brüder  des  Churfürsten  von  Cöln,
die  Grafen  von  Wied  und  Meurs  fehlten.  Von  429,000  Goldgulden ­
  der  Anweisungen  waren  nur  mehr  35,065  fl.  übrig
(9.  März).  Alles  müsse  so  fertig  gemacht  werden,  dass,  sobald
die  Wahl  geschehen,  Jakob  Fugger  alle  Anweisungen  baar  be
zahle.  Die  Erzherzogin  bat  den  König,  ihren  Neffen,  seinen

1  Man  wollte  wissen,  Papst  Leo  habe  den  Churfürsten  von  Cöln  und  Trier
den  Cardinaishut  angeboten,  um  sie  für  K.  Franz  zu  stimmen.
2  Eine  eigene  Instruction  für  ihn  zur  Wahlversammlung  am  13.  März
Le  Glay  II.  n.  LXXXIX.
3  Die  sehr  interessante  Correspondenz  des  Grafen  Heinrich  von  Nassau
mit  der  Erzherzogin  bewegt  sich  vorzugsweise  um  die  Gewinnung  der
rheinischen  Grafen  und  Aufstellung  eines  Heeres  zur  Unterstützung  der
Wahlsache,  sowie  Unterdrückung  der  französischen  Intriguen.  Bei
Mone  1836.
4  Qui  est  personnage  scrupuleux  et  estrange  en  ses  affaires.
            
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