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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

K«uTs  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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Kaiserthum  einbüsse,  sondern  auch  die  Ehre,  alles  was  er  an
das  Wahlgeschäft  daran  gesetzt,  ja  dass  dadurch  die  vollständige ­
  Zerstörung  der  habsburgischen  Macht  erfolge.  Karl  befand ­
  sich  dadurch  in  der  schwierigsten  Lage.  Er  ertheilte  allen
seinen  Agenten  die  gemessensten  Befehle,  der  Wahl  Ferdinands
entgegenzuwirken  und  verbot,  dass  letzterer  nach  Deutschland
gehe.  Karl  ging  von  der  Ansicht  aus,  dass  das  Kaiserthum
in  den  Händen  Ferdinands  ihn  und  das  österreichische  Haus
verderbe.  Seine  eigene  Verbindung  mit  Sickingen  und  das  Heer,
welches  er  in  Neapel  habe, 1  sowie  seine  Unterhandlungen  mit
den  Schweizern  reichten  zur  Sicherung  der  Erbländer  (ohne
dass  Ferdinand  dahin  gehe)  hin.  Der  französische  Plan  spornte
den  König  nur  zu  erhöhter  Thätigkeit  an.  Der  Cardinal  von
Gurk,  Monsieur  de  Liege,  der  Pfalzgraf  Friedrich,  der  Markgraf ­
  Casimir,  der  Graf  von  Nassau  (oder  Montigny),  der  Secretär
Jean  de  la  Saulch  erhielten  deshalb  gemessene  Vollmachten,
der  Sieur  de  Beaurain  wurde  eig'ens  zur  Erzherzogin  nach
Brüssel  gesandt,  um  auf  den  Infanten  zu  wirken,  damit  er  sich
auf  nichts  weiter  einlasse,  und  ihn  der  königlichen  Liebe  zu  versichern. ­
  Werde  Karl  Kaiser,  so  könnte  er  Ferdinand  um  so  leichter
zum  König  der  Römer  wählen  lassen  und  das  Kaiserreich  in
solchen  Zustand  bringen,  dass  es  für  immer  bei  dem  habsburgischen ­
  Hause  bleibe. 2  So  knüpften  sich  schon  jetzt  die
Keime  der  nachhaltigsten  Veränderungen  an  die  Wahlverhandlungen. ­
  Der  Kaiser  war,  noch  ehe  seine  Wahl  gesichert  war,
genöthigt,  sich  mit  seinem  Bruder  auseinanderzusetzen  und
konnte  oder  sollte  dieses  nicht  in  Betreff  der  aragonischen  und
castilianischen  Königreiche  geschehen,  so  musste  es  in  Betreff
der  deutschen  Länder  eintreten.
Allein  die  Nachrichten  aus  Deutschland  lauteten  fortwährend ­
  wenig  erfreulich.  Paul  Armerstorff  berichtete  am  8.  März
aus  Mainz,  3  der  Erzbischof  von  Cöln  erachte  sich  an  den  Augs-1
  Dahin  wurden  4000  Schweizer  gesandt.  Margaretha  an  Zevenberghen
Mone  1836.  S.  121.
1  Le  Glay  II.  p.  310.
3  Beinahe  gleichzeitig  (9.  März)  schrieb  Mamix  von  Augsburg  aus,  alles
gehe  gut;  los  affaires  du  roy  (Charles)  sont  asseure.  Bei  Mone  1836
S.  24.  Er  stand  ausserhalb  der  eigentlichen  Schusslinie  und  hatte  nur
Kunde  von  den  Mainzer  Practiken.
            
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