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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karl's  I.  Wahl  zum  römischen  Könige

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Franzosen  dasselbe  mit  vollen  Händen  gäben.  1  Berghes  war
es,  der  den  klugen  Rath  gab,  den  schwäbischen  Bund  zu  verstärken, ­
  da  die  rheinischen  Churfürsten  wissen  wollten,  welcher
Unterstützung  sie  sich  für  den  Fall  eines  französischen  Angriffs
versehen  könnten.  K.  Karl  könne  dann  auch  zum  Zwecke  der
Wahl  wie  gegen  die  Franzosen  über  den  Bund  verfügen.  Wenn
die  Franzosen  sagten,  sie  hätten  Briefe  und  Siegel  von  den
Churfürsten,  so  sei  das  leere  Prahlerei.  Er  rieth  ferner,  die
Abgesandten  zu  den  Churfürsten  so  zu  instruiren,  dass  diese
nur  gebeten  würden,  ihrer  Zusagen  eingedenk  zu  sein,  weil  die
Wahl  den  Anschein  der  Freiheit  haben  müsse.  Um  keinen
Preis  wollten  die  Churfürsten,  dass  man  ihre  eingegangenen
  Verpflichtungen  kenne.  Die  Herzoge  von  Cleve  und
Jülich  müssten  gewonnen  und  König  Heinrich  VHI.  vermocht ­
  werden,  einen  Wahlgesandten  ahzuschieken  und  auf  den
Papst  günstig  zu  wirken.  2  Allmälig  lüftete  sich  der  Schleier
einer  der  grössten  Intriguen,  die  je  stattfanden.  Schon  am
16.  Februar  konnte  Maximilian  de  Berghes  schreiben,  nachdem
der  französische  König  für  den  Fall,  dass  er  Kaiser  werde,
dem  Markgrafen  von  Brandenburg  versprochen,  ihn  zu  seinem
Stellvertreter  im  Reiche  zu  ernnenn,  so  werde  das  der  Churfürst ­
  von  Sachsen  nie  zugeben,  und  noch  viel  weniger,  dass
Churfürst  Joachim  römischer  König  werde. 3  Das  sei  ein  grosser
Gewinn,  dass  sich  K.  Franz  gerade  an  diesen  gewendet,  denn
das  bringe  die  übrigen  wider  den  König  auf.  Nun  bearbeite
der  Churfürst  von  Sachsen  die  Böhmen  und  Ungarn,  damit  ihr
König  römischer  König,  die  Princessin  Anna 4  aber  Braut  des
sächsischen  Erbprinzen  werde.  Das  sei  wieder  dem  Churfürsten
Joachim  gesteckt  worden,  der  erklärte,  er  wolle  lieber  den
Türken  helfen  als  den  Böhmen,  die  er  hasse,  oder  den  Churfürsten
  von  Sachsen  in  solchem  Ansehen  zu  erblicken.  Der

1  Qui  fait  avoir  le  precheur  hon  credit.
2  Das  Uebrige  bezog  sich  auf  Gewinnung  der  Schweizer,  auf  die  Beibehaltung ­
  der  Fugger,  die  schon  400,000  fl.  geliehen,  auf  die  Erfüllung  des
Versprechens  von  20,000  Ducaten  an  den  Pfalzgrafen  Friedrich.
3  Car  c’est  un  homme  vehement  avecques  le  quel  nul  ne  veult  avoir
affaire.  Le  Glay  II.  p.  236.
4  Diese  betrachtete  sich  aber  bereits  als  Gemahlin  des  Erzherzogs  Ferdinand. ­


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