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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

KaiTs  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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angeboten  hatten,  einen  seiner  Bastarden  nach  Frankreich  zu
nehmen  und  ihn  dort  zum  grossen  Herrn  zu  machen.  Der  Churfürst ­
  hatte  sich  als  redlicher  Mann  erwiesen,  und  auch  diese
Versuchung,  die  an  ihn  herangetreten  war,  überstanden.
Jetzt  begann  allmälig  eine  diplomatische  Thätigkeit,  welche
ohne  Beispiel  war.  Allein  überall  musste  auch  vorgeschossen
werden.  Seitdem  Pfalzgraf  Friedrich  sich  günstig  ausgesprochen,
übernahm  dieser  es,  mit  seinem  Bruder  Ludwig  zu  sprechen,  mit
dem  Markgrafen  Casimir,  mit  dem  Grafen  von  Mannsfeld,  um  auf
den  Churfürsten  von  Brandenburg  einzuwirken.  Da  die  Fugger
für  K.  Karl  eintraten,  fanden  in  allen  Nöthen,  und  deren
gab  es  viele,  Anweisungen  auf  sie  statt.  Antwerpen  und
Mecheln  leisteten  Bürgschaften,  die  Geldmächte  traten  so  für
Karl  ein.  Die  klügsten  Leute  waren  verwendet  worden  und
ihr  kluger  Rath  fiel  bei  der  Prineessin  immer  auf  guten  Boden.
Sie  bewilligte  die  Ratification  der  Heirath  der  Infantin,  sie
verlangte  Sicherheit  in  Betreff  der  200,000  Goldgulden  zu  dieser, ­
  der  Pension  von  8000  fl.  für  den  Markgrafen,  von  10,000  fl.
für  den  Cardinal,  dessen  Bruder. 1  Die  Sache  war  in  Gang
gebracht  und  die  Depeschen  flogen  nun  von  allen  Seiten  nach
Mecheln  wie  nach  Barcelona.  Noch  stand  damals  fest,  dass,
wenn  Karl  nicht  gewählt  würde,  Ferdinand  Kaiser  werden
sollte.  Namentlich  Maximilian  von  Berghes  war  unermüdlich ­
  in  Rathschlägen  und  Mittheilungen.  Wie  ein  eigener  französischer ­
  Gesandte  bei  Herzog  Ulrich  von  Würtemberg  ständig
sich  befinde,  um  diesen  Theil  von  Deutschland  in  Unruhe  zu
versetzen,  wie  der  Bastard  von  Savoyen  mit  voller  Börse
den  Glauben  an  den  Antichrist  predige  und  viele  zur  französischen ­
  Religion  bekehren  werde,  wie  man  Sickingen  gewinnen, ­
  Fugger  besser  behandeln  solle. 2  Alles,  was  zum  Ziele
dienen  konnte,  wurde  näher  erwogen,  bis  endlich  seine  Thätigkeit ­
  sich  dahin  concentrirte,  K.  Franz  bei  den  Schweizern  aus
dem  Felde  zu  schlagen.
Der  katholische  König  hatte  seine  Partie  genommen.  Schon
von  Montserrat  aus,  unmittelbar  nachdem  er  die  Nachricht  vom
Tode  Maximilians  empfangen,  hatte  er  an  alle  Churfürsten  und

1  Mecheln,  25.  Febr.  Mone  n.  11.
2  8.  Febr.  1519.  Le  Glay  II.  n.  60.
Sitzungsber.  d.  phil.-liist.  CI.  LXXlV.  Bd.  1.  Oft.
            
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