Karl's I. Wahl zum römischen Könige.
63
Man glaube, der König werde Spanien nicht verlassen, da
rufe nun alle Welt nach dem Erzherzoge Ferdinand. Er machte
kein Hehl, dass seit dem Tode des Kaisers die Dinge sich in
bedenklicher Weise geändert hätten, er aber bereits Schritte
gethan habe, um seinen Instructionen gemäss auf die Schweizer
einzuwirken. Er drang auf eilige Massregeln, da selbst Erbländer
aufgewiegelt werden sollten. 1 Es genügte aber nicht,
Siebenbergen oder wie er sich selbst nannte, Maximilian die
Berghes, nach Deutschland abzusenden, sondern auch der gewandte
Armerstorffer erhielt einen ähnlichen Auftrag, Marmier und
Spekbach, sowie der königliche Secretär Jehan de Marnix, 2
letzterer, ohne eine Antwort vom spanischen Hofe abzuwarten,
durch die Princessin Margaretha. 3 Sie, die Seele dieses diplomatischen
Gespinnstes, das nun an den deutschen Höfen zu
Gunsten Karls stattfand, ging von dem Grundsätze aus, jeder
Churfürst, und wer sonst in den Tagen ihres Vaters sich für
Karls Wahl ausgesprochen hatte, müsste aufs Neue bearbeitet
werden. Sie trug Marnix auf, die Hand der Infantin Katharina,
ausgezeichnet durch Schönheit, Tugend und Güte, für den
Churprinzen von Brandenburg, für den Vater aber das Beichsvicariat*
in Karls Abwesenheit anzutragen. Letzteres sollte
jedoch auch dem Churfürsten von Sachsen angetragen werden.
Marnix sollte auf die Unterdrückung aufmerksam machen, die
den deutschen Fürsten von dem französischen Könige drohe,
auf die Schande, einen Fremden mit Umgehung des edlen Hauses
Oesterreich zum Haupte zu wählen. Könne aber Karl nicht
durchgesetzt werden, so solle man die Wahl eines Dritten, eines
Deutschen betreiben und diesen durch Heirath mit K. Karl in
nähere Verbindung bringen. Namentlich sollten die Pensionen
für die hohenzollernschen Brüder versichert, daneben die
Festungen der Erbländer wohl verwahrt und auf Venetianer und
Schweizer ein wachsames Auge gerichtet werden. Den Schweizern
sollte man ja vorstellen, dass K. Franz, wenn er Kaiser würde,
1 So verstehe ich die Stelle S. 393. pour butiner aucuns des pays des
mansions. Es bezog sich dies namentlich auf Tirol und Oesterreich.
* Memoires et instruction ä Johan de Marnix. Le Glay II. n. 55.
3 Ein anderer Agent war auch l’escuyer Asnelz Cp. 199.)
4 Le pourra faire son principal lieutenant,