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Karls' T. Wahl zum römischen Könige. ß ]
haupt den Churfürsten sagen zu lassen, sie möchten ohne Rücksicht
auf den Papst vorangehen. 1
Hätte es sich nicht um so ernste Dinge gehandelt, die den
ganzen Zustand Europas veränderten, man würde sich in eine
Comödie der Irrungen versetzt glauben. 2 Es gehörte dazu,
dass Sonnabend den 9. Juli der Cardinal von York in der Cathedrale
von London ein feierliches Dankamt mit Te Deum
wegen einstimmig erfolgter Wahl — K. Karls abhielt 3 . Der
französische Botschafter hielt sich davon fern. König Franz
dankte jedoch dem englischen Botschafter Sir Thomas Boleyn für
K. Heinrichs gute Dienste, versicherte ihm, dass die ersten Schritte
in Betreff seiner von den Churfürsten ausgegangen seien; wenn
er aber bedenke, welche Mühe ihm durch das Kaiserthum erwachsen
würde, so habe er alle Ursache, jetzt Gott zu Dank
verpflichtet zu sein. 4 Etwas später erfuhr man am französischen
Hofe, dass, als Pace nach Mainz gekommen war und
Audienz bei dem Markgrafen von Brandenburg hatte, dieser
den französischen Gesandten, La Bastye während der Unterredung
hinter einer Tapete verborgen hielt. Pace habe nun
gerathen, nur Jemanden aus der deutschen Nation zu wählen,
am ehesten Jemanden aus den deutschen Fürsten selbst, endlich
habe er sich für K. Karl ausgesprochen und so wohl auch
bei anderen Churfürsten geredet. 5
§ 4.
Die Wahl K. Karls Y. nach hahsbnrgischen Berichten.
Nachdem wir das Resultat einer welthistorischen Intrigue
mit Hülfe von Nachrichten erzählt, die vom französischen wie
1 Absque suae sanctitatis intuitu. Siehe die merkwürdige Unterredung Papst
Leo’s X. mit dem englischen Gesandten, Bischof von Woreester, über
Karl’s Wahl. Brewer III. P. 1. n. 393.
2 Estnr, potatnr, luditnr, dormitur, mentitur, publica oblivioni tradnntur.
Vianesius Petro Martyri.
3 Depesche Giustiniani’s vom 15. Juli.
4 Much bound to God. Boleyn an Wolsey 14. August 1519.
5 Boleyn an Wolsey nach der Mittheilung des französischen Admirals.
Brew. III. 1. n. 530.