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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karl'8  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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sandte  fühlte,  die  Sache  seines  Herrn  sei  verloren,  meinte  er,
sie  sei  nicht  so  viele  Mühe  werth.  Man  sieht,  wie  er  aus  der
verlorenen  Stellung  den  Rückzug'  antritt.  Erst  der  28.  brachte
die  Entscheidung!  Die  Cardinäle  von  Salzburg  und  Mainz,
der  Pfalzgraf  Friedrich,  Markgraf  Casimir  von  Brandenburg,
die  Bischöfe  von  Trient  und  Lüttich  und  der  Graf  von  Nassau
machten  Pace  zu  wissen,  1  dass  am  28.  um  7  Uhr  der  König
von  Aragonien  als  Kaiser  gewählt  und  proclamirt  worden  war.
Sobald  die  Churfürsten,  schrieb  Pace  sogleich  an  Wolsey,  in
Erfahrung  gebracht,  dass  K.  Karl  und  der  Papst  in  Betreff
des  (päpstlichen  Lehen-)  Reiches  von  Neapel  sich  verständigt
hatten  und  Karl  von  dem  Lehenseid  absolvirt  worden,  hätten
sie  sich  zu  seiner  Wahl  vereinigt.  Er  begebe  sich  morgen
nach  Frankfurt,  den  span.  Botschaftern  Glück  zu  wünschen. 2
Spinelli  hatte  ja  dem  König  versichert,  die  Sendung  Pace’s  habe
nur  den  Zweck,  wenn  K.  Karl  nicht  gewählt  werden  würde,
die  Wahl  eines  Dritten  zu  betreiben.  3  Am  14.  Juli  erhielt  Karl
in  Barcelona  das  Wahldecret. 4
Der  kluge  Pace  setzte  in  einem  späteren  Briefe  hinzu,
er  habe  Mittel  gefunden,  die  Churfürsten  von  Sachsen,  Cöln  und
Mainz  zu  einer  Erklärung  an  die  kaiserlichen  Gesandten  zu
vermögen,  wie  sehr  K.  Heinrichs  Briefe,  Pace’s  Anträge  und
andere  geheime  Praktiken  dieWahl  K.  Karls  —  befördert  hätten.
Die  span.  Gesandten  bedankten  sich  höflich  und  versicherten
ihren  Herrn  von  dieser  Lüge  in  Ivenntniss  zu  setzen.  Die
Wahl  kostete  nach  Pace’s  Mittheilung  dem  neuen  Kaiser
1,500,000  fl.,  circa  400,000  Mark  baar,  abgesehen  von  den
grossen  Versprechungen. 5  Pace  war  unverschämt  genug,  sich  noch
über  das  Doppelspiel  des  Papstes  zu  beklagen,  der  nach  einem
Briefe  Wolsey’s  vom  28.  Juni  dem  Könige  Heinrich  einen  Aufschub ­
  der  Wahl  in  Aussicht  gestellt  habe,  während  seine  Gesandten ­
  am  25.  den  Churfürsten  geschrieben  hätten,  die  Wahl
1  n.  338.
2  Mainz,  28.  Juni,  11  Uhr  Nachts,  u.  339.
3  Depesche  an  Wolsey  vom  16.  Juni.  n.  312.  Der  ungenannte  Dritte  sollte
K.  Heinrich  sein!
4  n.  385.
5  3.  Juli.  Pace  to  Wolsey.  n.  351.
            
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