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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Sacken.

blauem,  schillernden  Fadenglase  dar  (Fig.  82),  die  dritte  ist
eine  9  Linien  lange  Walze  aus  Mosaikglas;  rothe,  blaue
und  gelbe  Stäbchen  sind  zusammengeschmolzen,  grüne  bilden
Kreise,  in  denen  sich  auf  gelbem  Grunde  rothe  Kreuzchen  befinden ­
  (Fig.  83).
Fassen  wir  die  gesammten  Erscheinungen  des  Grabfoldes
zusammen,  so  werden  wir  zu  dem  Schlüsse  geführt,  dass  es
der  spätesten  heidnischen  Periode,  wohl  schon  gegen  die  karolingische ­
  Zeit,  angehöre. 1  Darauf  deuten  ausser  der  Metallcomposition
  und  der  Emailtechnik  die  Formen  der  Schmuckstücke, ­
  insbesondere  aber  die  Verzierungen  mit  stylisirtem
Laubwerk  und  Thiergestalten  hin. 2  Letztere  nähern  sich  schon
sehr  den  an  romanischen  Bildwerken  des  früheren  Mittelalters
vorfindlichen  und  erscheinen  als  eine  Uebergangsstufe  von  den
rohen,  wirren  Gestaltungen  auf  nordischen  und  germanischen
Zierstücken  zu  den  styl  volleren  des  romanischen  Styles,  dessen
Ornamentik  sich  offenbar  auf  dieser  Grundlage  herausbildete.
Besonders  gilt  dies  von  dem  Beschlägstücke  Fig.  76.
In  dieselbe  Kategorie  gehören  die  Gräber  bei  Brunn
am  Steinfelde,  welche  im  Jahre  1871  beim  Baue  der  Wiener
Wasserleitung  aufgedeckt  wurden. 3  Sie  liegeüi,  wie  alle  Grabstätten ­
  dieser  Gegend,  an  der  Berglehne,  an  der  äussersten
Abdachung  gegen  die  Ebene.  Es  sind  ebenfalls  Reihengräber
mit  Skeletten,  die  gegen  Osten  sehen,  parallel  gelegt,  in  einer
Tiefe  von  6—9  Fuss,  je  nach  der  Schichte  des  darüber  liegenden ­
  Humus,  in  Abständen  von  3  Fuss.  Es  wurden  acht
solche  regelmässige  Reihen  aufgedeckt,  mit  61  Gerippen,  die
sämmtlieh  auf  dem  Rücken  lagen,  die  Arme  längs  des  Leibes
ausgestreckt,  oder  über  dem  Bauche  gekreuzt.  Quer  über  den
Beinen  befanden  sich  häufig  Thierknochen  (bei  einer  Leiche
das  Skelett  eines  Hundes),  zur  linken  Hand  ein  Topf,  zur
rechten  ein  Eisengeräth,  meistens  ein  Messer  von  6—7  Zoll
Länge  mit  Griffangel,  zum  Theil  mit  Spuren  einer  hölzernen
1  Weinliold,  a.  a.  0.  theilt  das  Strassengler  Grab,  das  den  Kettlacher
Gräbern  verwandt  ist,  frühestens  dem  8.  Jahrhundert  zu.
2  Einige  Ornamente  finden  sich  auf  Schmuckstücken  aus  den  Gräbern  von
Bel-air  genau  so  vor.  Troyon,  in  den  Mitth.  d.  antiq.  Gesellschaft  in
•  Zürich,  I,  Heft  9,  PI.  1,  Fig.  15,  21.
3  Karrer  in  den  Mitth.  d.  anthropol.  Gesellsch.  I,  369.
            
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