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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Ueber  AnBiedlungen  und  Funde  aus  heidnischer  Zeit.

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Umwallang'  einer  befestigten  Ansiedlung'  oder  eines  Lagers
anzusehen  ist.  Kennbare  Spuren  eines  doppelten  Walles  mit
Graben  zeigen  sich  noch  auf  dem  Steinberge,  gegenüber  dem
Leiserberge.  1
So  wohnte  die  alte  Bevölkerung,  welche  die  erwähnten
Steinwerkzeuge  führte  und  sich  dieser  eigenthümlich  derben
Gefässe  bediente,  in  festen  Wohnsitzen,  vielleicht  in  geschlossenen ­
  Ortschaften,  sich  hauptsächlich  von  Jagd  und  Viehzucht
nährend,  aber  auch  der  Ackerbau  dürfte  ihr  nicht  fremd  gewesen
sein.  Die  Hütten  bestanden  aus  Pfählen  und  geflochtenem  Reisig
mit  dickem  Lehmbeschlag.  Dies  bezeugen  zahlreiche  Stücke  des
letzteren,  die  durch  ihren  verschlackten  Zustand  und  die  dabei
befindlichen  Aschenmengen  auf  die  Zerstörung  der  Wohnungen
durch  Brand  schliessen  lassen. 2
Obwohl  in  dem  erwähnten  Bezirke  bisher  noch  kein
Bernstein  —  der  sprechendste  Beweis  für  einen  weiter  ausgedehnten ­
  Handelsverkehr  —,  überhaupt  kein  entschieden
fremdländisches  Stück  (ein  Goldstück  von  Alexander  dem
Grossen  ausgenommen)  gefunden  wurde,  so  bezeugen  doch
manche  aus  weiterer  Perne  bezogene  Steinarten,  namentlich
die  wahrscheinlich  aus  der  Gegend  von  Brünn  herbeigebrachten ­
  Feuersteine,  einen  Verkehr  wenigstens  mit  den  Nachbarn. 3
Dass  die  Steingeräthe  und  Gefässe  aber  hier  gefertigt  wurden,
geht  aus  den  deutlichen  Spuren  ihrer  Fabricationsplätze  hervor.
So  kommen  am  Vitusberge  Pfeilspitzen  aus  Hornblende  und
Feuerstein,  nebst  unfertigen  oder  verunglückten  Stücken  und
Abfällen  in  solcher  Menge  vor,  dass  man  auf  eine  massenhafte
Erzeugung  dieser  Waffengattung  an  Ort  und  Stelle  schliessen
darf.  Au  einem  andern  Punkte  desselben  Hügels  war  ein
Töpferplatz,  wo  besonders  die  oben  erwähnten  Thonpyramiden
gefertigt  worden  zu  sein  scheinen,  wie  aus  den  vielen  ganzen

1  Much,  ebd.  II,  126.
2  Much,  a.  a.  O.  I,  S.  165.  Die  Hütten  der  Quaden,  welche  in  dieser
Gegend  wohnten,  erscheinen  auf  der  Antonins-Säule  rund,  wie  mit  Reisig
oder  Schilf  bekleidet,  kuppelartig  mit  Stroh  oder  Schilf  bedeckt.  (Bellori,
  Col.  Anton.  Tab.  9,  17,  wo  sie  von  den  römischen  Soldaten  mit
Fackeln  in  Brand  gesteckt  werden).
3  Bei  Prossnitz  in  Mähren  wurden  Ringe  aus  Bernstein  gefunden,  nebst
Bronzen  und  blauen  Glasperlen  aus  später  heidnischer  Zeit.
            
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