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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

lieber  Ansiedlungen  und  Funde  aus  heidnischer  Zeit.

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h)  G  ofasse.  Diese,  welche  fast  nur  in  Bruchstücken  in
ausserordentlicher  Menge  gefunden  werden,  sind  von  verschiedener ­
  Art.  Die  mit  den  Steinwerkzeugen  zusammen  vorkommenden ­
  bestehen  aus  grobem,  reichlich  mit  Quarzsand  gemischtem ­
  Thone;  meist  stark,  sogar  klingend  gebrannt,  haben  sie
eine  blassrothe  Farbe,  an  der  Aussenseite,  oft  auch  im  Innern
sind  sie  mit  einem  Graphit-  oder  rothein  Ocker-Anstrich  versehen. ­
  Nach  den  Fragmenten  zu  schliessen,  waren  es  grosse
bauchige  Gefässe  von  3—4  Linien  Dicke,  vielleicht  für  die
Wasservorräthe  auf  den  quellenlosen  Höhen,  tiefe  Schalen  mit
Henkeln,  flachere  Schlüsseln  mit  breit  übergeschlagenen  Rändern ­
  und  verschiedene  Töpfe  und  Näpfe.  Die  nur  an  wenigeren ­
  sichtbaren,  primitiven  Verzierungen  bestehen  in  gitterartigen, ­
  nicht  selten  wirren  Strichen  (Fig.  29),  mit  stumpfen  Hölzern
gemacht  oder  in  Fingereindrücken  an  den  herumlaufenden  Wülsten
in  regelmässigen  Abständen.  Statt  des  Henkels  trifft  man  häufig ­
  knopfartige  Ansätze,  die  bisweilen  durchbohrt  sind,  um
eine  Schnur  oder  einen  Stab  durchzustecken,  oder  unten  gehöhlt, ­
  um  die  Finger  hineinzulegen  (Fig.  30).  Von  flaschenförmigen ­
  Gefässen  sind  nur  die  derberen  Hälse  erhalten
(Fig.  31). 1  Neben  den  Thongeschirren  kommen  auch  dicke
Gefässe  aus  blättriger  Graphitmasse  vor;  2  ein  zu  L  i  m  b  e  r  g
gefundenes  Bruchstück  (Fig.  32)  hat  ein  erhobenes  Band,  auf
welchem  vertiefte  Kreise  mit  Centralpunkt,  hervorgebracht
durch  das  Eindrücken  zweier  Röhrchen,  zu  sehen  sind.  Die
derben  Gefässe  sind  wohl  alle  aus  freier  Hand  geformt,  ohne
Anwendung  der  Töpferscheibe.  Durchlöcherte  Gefässe  oder
Siebe  (Fig.  33,  gefunden  bei  Grafenberg)  dienten  vielleicht  zur
Käsebereitung,  wie  man  es  bei  solchen  der  Schweizer  Pfahlbauten ­
  vermuthet. 3  Eigenthümliche  Formen  sind  ein  kleiner
Trichter  von  3  '/ 4  Zoll  Länge,  bei  der  Egenburger  Stadtmauer
bei  einem  Skelette  nebst  vielen  Scherben  gefunden,  und  ein
Miniatur-Näpfchen  von  l 3 / 4  Zoll  Höhe  (Fig.  34)  mit  vier  hornartigen ­
  Ansätzen  an  der  Ausbauchung.  Die  an  vielen  Orten

1  Süss  hält  diese  Bruchstücke  für  Lampen,  Much  (a.  a.  O.  II,  113)  für
Löffel,  wozu  sie  aber  mit  ihrer  Oeffnung  wenig  geeignet  wären.
2  Graphit  kommt  in  der  Gegend  häufig  vor  und  tritt  mitunter  zu  Tage.
3  Vgl.  Mitth.  d.  ant.  Ges.  in  Zürich,  XIV,  1.  Heft,  Taf.  II,  18.
            
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