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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Höfler.

durfte  nicht  zwei  Könige  haben  1  und  des  Herrn  von  Chievres
Sorge  war  es,  dieses  Unglück  zu  verhindern.  Daher  denn  nun
das  Streben,  die  volle  Einigkeit  zwichen  der  Königin  und  dem
Prinzen  erscheinen  zu  machen; 2  daher  die  Fernhaltung  des
Primas  von  Aragon,  da  die  Aragonesen  Karl  ohnehin  nicht  als
König  anerkannten,  eine  Meinung,  die  nicht  erst  eine  Bekräftigung ­
  durch  die  Königin  zu  erhalten  brauchte;  daher  erst  die
Isolirung  des  Infanten  Ferdinand  von  seinen  spanischen  Erziehern, ­
  die  entschiedene  Ungnade,  in  welche  sie  fielen,  und
endlich  seine  Entfernung  aus  Spanien,  ohne  mit  seiner  Mutter
mehr  zusammengekommen  zu  sein;  daher  die  Einberufung  der
castilianischen  Cortes  nach  Valladolid,  statt  nach  Toledo,  gegen
den  Rath  des  Regenten,  aber  nach  dem  Willen  des  Königs;
daher  endlich  auch  der  Bruch  mit  dem  Regenten  als  nothwendige
  Folge  eines  Systems,  welches  jetzt  sich  entwickelte.
Bereits  als  der  König  dem  Regenten  ankündigte,  dass  er  nach
Tordesillas  gehe  und  ihn  zur  Zusammenkunft  nach  Mojados  bestimmte, ­
  war  gesagt  worden,  sobald  der  König  und  der  Cardinal
über  die  gemeinsamen  Angelegenheiten  sich  berathen  und  seinen ­
  Rath  ebenso  über  die  Einrichtung  seiner  Familiensachen
erholt,  möge  Ximenes,  dessen  Verdienste  nur  Gott  belohnen
könne,  der  Ruhe  in  Toledo  pflegen.  Nach  Gomez  war  der
Bischof  von  Badajoz,  Motta,  der  Urheber  des  Rathes,  mit
welchem  nun  Chievres  Wunsch  erfüllt  werden  sollte,  die  spanischen ­
  Angelegenheiten  allein  zu  leiten,  was  er  übrigens  ohnehin
schon  that.  Der  Brief  selbst  war  jedoch  vom  Cardinal  Adrian
zweifelsohne  im  Aufträge  Karls  geschrieben  und,  wie
man  sich  Vorstellen  kann,  mit  allen  Rücksichten  gehalten,  wie
sie  dem  Charakter  dieses  Mannes  angemessen  waren.  Er  konnte
am  besten  wissen,  in  welchem  Gesundheitszustände  sich  Ximenes
den  ganzen  Spätherbst  befand  und  wie  sehr  ihm  der  Aufenthalt ­
  auf  dieser  Seite  der  castilianischen  Berge  schade.  Letzterer
hatte,  offenbar  im  Vorgefühle  seines  Todes,  einen  Brief  an  den
König  begonnen  und  ihm  sein  Haus,  die  von  ihm  gestifteten

1  Poner  dos  reyes  en  Castilla  —  *s  el  rnayor  danno  que  en  un  Reyno
puede  aver.  Der  commendado  de  Castilla  Juan  de  Vega  bei  Bergenroth
p.  336.
2  Ausdruck  der  Königin  1518  in  Bezug  auf  Karl.
            
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