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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

K.  Karls  (V.)  erstes  Auftreten  in  Spanien.

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zu  geben.  Als  ihn  der  nachherige  Vicekönig  von  Neapel,
Munkenvall  (?),  wegen  seiner  Vorliebe  für  die  Musik  aufzog,  besiegte ­
  er  ihn  im  Duell;  den  Herrn  von  Glaion  warf  er  im
Turniere  nieder.  Er  galt  als  der  kühnste  Reiter,  gleich  sehr
in  Sprachen  und  in  edlen  Künsten  wohl  erfahren.  Es  war
ein  lautes  Geheimniss,  dass  ihm  die  Frauenwelt  wohl  wollte
und  vor  allen  die  Infantin  Leonore  eine  zärtliche  Neigung
fasste,  die  von  ihm  in  gleicher  Gluth  heimlich  erwiedert
wurde.  Allein  das  Verhältniss  wurde  durch  Leonorens  Kammerfrau ­
  Thembe  an  Chievres  verrathen.  Es  kam  jedoch  erst  zur
Katastrophe,  als  bereits  die  Zurüstungen  zu  Karls  Abreise  nach
Spanien  so  viel  als  vollendet,  aber  auch  die  Unterhandlungen
mit  K.  Emanuel  zum  Abschlüsse  gediehen  waren.
Der  Pfalzgraf  beschloss,  den  entscheidenden  Schritt  zu
wagen,  sich  an  die  Infantin  selbst  zu  wenden  und  ihr  seine
Hand  anzubieten.  Der  Brief  kam  in  Leonorens  Hände,  wurde
von  ihr  gelesen,  an  ihrem  Busen  versteckt,  aber  was  Beide  als
ein  Geheimniss  ansahen,  dem  Könige  rasch  verrathen.  Dieser
erwartete  schon  im  Januar  1517  den  Don  Pedro  Correa,  ■  welcher ­
  um  die  Hand  Leonorens  sich  bewerben  solle.  1  Dass
K.  Karl  solche  Pläne  in  Betreff  seiner  Schwester  hege,  konnte
denn  doch  am  Brüsseler  Hofe  kein  Geheimniss  sein  und  wahrscheinlich ­
  war  es  die  Kenntniss  derselben,  die  den  Pfalzgrafen
zum  entscheidenden  Schritte  drängte.  Allein  Friedrich,  welcher
sich  schon  zur  Abreise  nach  Spanien  rüstete,  sah  sich  auf  einmal ­
  von  seiner  Geliebten  getrennt;  der  König  hatte  sich  des
Briefes  bemächtigt,  den  die  Infantin  vergeblich  zu  verbergen
bemüht  war,  und  damit  das  Geheimniss  der  Liebenden  erfahren.
Vergeblich  suchten  Chievres,  die  Erzherzogin  und  der  Prinz
von  Oranien  den  König  zu  besänftigen. 2  Karl  hatte  auf  die
erste  Nachricht  von  dem  Verhältnisse  seiner  Schwester,  viel
Schlimmeres  befürchtend,  als  sich  nachher  zeigte,  den  Degen
gezogen;  der  Pfalzgraf,  für  welchen  die  reiche  Erbin  des  grossen

1  Spinelli  an  K.  Heinrich  11.  Jan.  1517.  n.  2769.  ICnight  aber  wollte
(16.  Febr.)  wissen,  (lass  ein  Vertrag  wegen  Vermählung  Leonorens  mit
dem  portugiesischen  Thronfolger  abgeschlossen  sei.  1.  c.  n.  2930.
2  Brewer  n.  3646.
Sitzungsber.  4.  plul.-hist.  CI.  LXXIV.  Bd.  III.  Hft.

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