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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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H  ofler.

Vertrag  von  Noyon  hinderte  übrigens  K.  Karl  nicht,  sich  erst
recht  an  K.  Heinrich  von  England,  Gemahl  der  Katharina  von
Aragonien  und  somit  Karls  Oheim,  anzuschliessen.  Schon  im
Juni  1516  war  bestimmt  worden,  Karl  solle  seine  Reise  nach
Spanien,  die  angeblich  im  August  anzutreten  war,  über  England ­
  (und  mit  englischem  Gelde)  antreten.  So  sehr  sie  gewünscht
wurde,  fand  sie  noch  nicht  statt,  wohl  aber  fühlten  sich  Aragonesen,
  Neapolitaner  und  wie  aus  Gomez  hervorgeht,  auch
die  Oastilianer  in  ihren  Interessen  verletzt;  die  Klagen  über
Absendung  grosser  Geldsummen  aus  Spanien  nach  Belgien
vermehrten  sich.  Man  sah  in  dem  Herrn  von  Chievres  denjenigen, ­
  welcher  sich  zwischen  den  König  und  seine  spanischen
Unterthanen  stelle,  den  König  nicht  nach  Spanien  ziehen  lasse,
weil  auf  spanischem  Boden  das  Uebergewicht  eines  belgischen
Edelmannes  selbstverständlich  aufhöre.
Auch  nach  anderen  Seiten  hin  fühlte  man  das  Unbehagliche ­
  der  Abhängigkeit  Karls  von  Chievres.  Sein  eigener  Grossvater ­
  arbeitete  daran,  diesen  Einfluss  zu  brechen  und  begab
sich  deshalb  nach  Belgien  —  ohne  jedoch  in  dieser  Beziehung
etwas  ausrichten  zu  können.  Chievres  fühlte  sich  jetzt  erst
bewogen,  noch  einen  zweiten  (weltlichen)  Botschafter,  den
Herrn  von  la  Chaux,  gleichfalls  Niederländer,  nach  Spanien
zu  entsenden.  Allein  der  Cardinal  zog  auch  diesem  gegenüber
seine  Grenzen  und  als  sich  die  Botschafter  auf  die  Seite  der
Königin  Germaine  stellten  und  ihr  Verlangen,  in  den  Besitz
des  wichtigen  Olmedo  gesetzt  zu  werden,  das  gleich  Arevalo
als  einer  der  Schlüssel  Spaniens  galt,  unterstützten,  so  widerstand ­
  der  Cardinal  ihnen  ebenso,  wie  der  Königin.  Er  vereitelte ­
  ihre  Unterstützung  des  Infanten  Ferdinand;  er  verhinderte, ­
  dass  sie  im  Zorne  Spanien  verliess;  er  behauptete  auch
formell  seine  Stellung  gegen  jeden  Versuch  der  Botschafter,
sich  in  die  eigentliche  Regentschaft  einzudrängen;  er  feierte
den  Triumph,  dass  durch  seine  Massregeln  die  Gesundheit  der
Königin  Juana  sich  besserte,  sie  sich  wieder  eines  Bettes  bediente, ­
  ihr  Zimmer  reinigen  liess,  dem  Gottesdienst  beiwohnte.
So  lange  aber  K.  Karl  nicht  selbst  nach  Spanien  kam,  so
lange  nicht  die  Zukunft  des  Infanten  festgestellt  war,  blieb
doch  Alles  in  der  Schwebe  und  mehrte  sich  die  Anzahl  der
unsichtbaren  Gegner,  welche  das  Ansehen  des  Cardinais  am
            
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