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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

K.  Karls  (V.)  erstes  Auftreten  in  Spanien.

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deutschen  Churfürsten  zu  ihrem  Könige  und  Kaiser  gewählt
wurde,  fand  diese  Steigerung  ihre  natürliche  Grenze.
Der  Vertrag  zu  Noyon  verpflichtete  den  sechzehnjährigen
Karl,  eine  Tochter  K.  Franz  I.  zu  hcirathen,  die  Princessin
Louise,  deren  Lebensalter  mehr  nach  Monaten  als  nach  Jahren
gezählt  wurde,  und  nach  deren  eventuellem  Tode  ihre  jüngere
Schwester,  d.  h.  das  habsburgische  Haus,  nur  auf  vier  Augen
beruhend,  war  dahingebracht,  dass  der  eigentliche  Stammhalter
erst  nach  14,  15  Jahren  daran  denken  durfte,  die  Fortpflanzung
seines  Hauses  zu  erleben.  Da  aber  in  Spanien  das  aragonesische
  Königshaus  ganz  ausgestorben  war,  das  castilianische
auf  der  irrsinnigen  Juana  beruhte,  und  Niemand  wissen  konnte,
wie  lange  Karl  leben  würde,  stand  das  neue  kabsburgischburgundische
  Haus,  so  lange  Karl  nicht  verheirathet  war,  nicht
einen  Sohn  hatte,  nichts  weniger  als  befestigt  da,  hatte  es  selbst
nur  einen  transitorischen  Charakter,  der  seinem  Ansehen  schadete.
Es  war  in  Noyon  wieder  das  Project  einer  Theilung  von
Neapel  zwischen  Frankreich  und  Aragon  in  den  Vordergrund
gestellt  worden.  Man  hatte  aber  von  spanischer  Seite  eingewendet,
  dass  bei  der  Vermählung  der  Königin  Germaine
französischer  Seits  die  Ansprüche  auf  Neapel  an  die  Neuvermählten ­
  abgetreten  worden  seien.  Hatten  beide  keine  Erben,
so  solle  Neapel  auf  Lebenszeit  der  Königin  bei  Aragon  bleiben,
bei  ihrem  Tode  zur  Hälfte  an  Frankreich  fallen,  der  König
von  Frankreich  aber  sollte  in  10  Jahren  eine  Million  Ducaten
zahlen,  von  welcher  zwei  Fristen  auch  erlegt  worden  seien,
S00,000  noch  bezahlt  werden  müssten.  Karl  sollte  ferner  binnen
sechs  Monaten  die  castilianischen  Cortes  bewegen,  Navarra  an
den  Titularkönig  d’Albert  zurückzustellen,  wenn  nicht,  werde
eine  französische  Armee  ihn  in  den  Besitz  des  Landes  setzen.
Es  stand  wohl  hiemit  in  Zusammenhang,  dass  Ximenes  die
Mauern  der  navarresischen  Städte  brechen  Hess,  um  Navarra
für  eine  feindliche  Armee  unhaltbar  zu  machen  und  als  dann
im  Juni  1516  der  Titularkönig  Johann  d’Albert,  Gemahl  der
Katharina  von  Foix  (Urgrossvater  des  nachherigen  Königs
Heinrich  IV.  von  Frankreich),  starb,  fühlte  sich  K.  Karl  durchaus
nicht  bereit,  diese  Stipulation  in  Ausführung  zu  bringen.  1  Der
1  Vergl.  die  Depeschen  Tunstals  und  Wingfields  an  K.  Heinrich  VIII.  vom
6.  und  23.  .Juni  1516,  Spinelli’s  vom  5.  und  18.  Juli  1516,
            
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