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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Hofier.

wurde;  er  war  es,  der  den  schicksalvollen  Rath  gab,  den  Infanten ­
  nicht  in  Spanien  zu  versorgen,  sondern  in  Deutschland
und  mit  den  österreichischen  Erblanden,  somit  eine  eigentlich
deutsche  Secundogenitur-Linie  des  Hauses  Habsburg  zu  begründen, ­
  Spanien  aber  mit  den  Nebenländern  ungetheilt  in
Einer  Hand  zu  behalten.
Ein  rasches  und  energisches  Eingreifen  that  noth.  In
Verbindung  mit  seinem  Vater,  dem  Grafen  von  Urenna,  hatte
bereits  Peter  Giron  in  Audalusien  losgeschlagen.  Sicilien
stand  in  Aufruhr  und  man  musste  befürchten,  dass  es  den
Franzosen  in  die  Hände  gespielt  werde.  Karl  hatte  auf  die
Nachricht  von  dem  Tode  seines  Grossvaters  prachtvolle  Exequien
in  Brüssel  halten  lassen,  bei  welchen  bereits  von  den  katholischen
Königen  Juana  und  Karl  öffentlich  die  Rede  war  und  drei
Male  es  lebe  der  König  —  vivo  es  el  rey  —  gerufen  worden
war.  Kai'l  hatte  gleich  einem  einzigen  rechtmässigen  Herrn
an  seinen  Bruder,  an  die  Königin  Germaine,  an  die  Granden
und  Prälaten  geschrieben;  er  benahm  sich  als  König  und
stellte  seine  nahe  Ankunft  in  Aussicht.  Von  der  Königin
konnte  als  Herrscherin  keine  Rede  sein.  Man  mochte  über
den  grösseren  oder  geringeren  Grad  ihrer  Zurechnungsfähigkeit ­
  streiten,  und  in  wie  ferne  Strenge  oder  Milde  ihren  Zustand ­
  lindern  werde;  darüber  aber,  dass  eine  Fürstin,  welche
man  nicht  dazu  bestimmen  konnte,  die  gewöhnlichen  Functionen
des  täglichen  Lebens  ordentlich  zu  verrichten,  die  Reinlichkeit
des  Körpers  zu  pflegen,  Speise  und  Trank  zu  sich  zu  nehmen,
in  einem  Bette  zu  schlafen,  nicht  für  den  Thron  passe,  konnte
denn  doch  kein  Zweifel  sein.  Ehe  man  aber  in  Spanien  über
die  Frage  des  Königthums  schlüssig  wurde,  waren  die  höchsten
Instanzen  der  Christenheit  mit  der  Frage  zu  Ende  gekommen.
Nach  mittelalterlicher  Anschauung  kam  es  Papst  und  Kaiser
zu,  Könige  anzuerkennen.  Maximilian  zögerte  auch  nicht,
seinen  Enkel  als  König  zu  begrüssen,  unbekümmert  darum,
was  Castilianer  und  Argonesen,  die  doch  zunächst  darum  befragt ­
  werden  mussten,  dazu  sagen  würden.  P.  Leo  X.  that
dasselbe  und  so  war  die  Frage  nach  dieser  Seite  entschieden.
Maximilian  forderte  selbst  den  Herrn  von  Chievres  auf,  die
Sache  in  seine  Hand  zu  nehmen  und  mit  der  Annahme  des
Königthums  nicht  zu  zögern.  Allein  das  Kronrecht  der  Königin
            
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