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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Hofier.

Die  Infantin  Katalina,  welche  Juana  erst  nach  dem  Tode
Iv.  Philipps  gebar,  befand  sich  in  der  klösterlichen  Einsamkeit
von  Tordesilla  unter  der  Aufsicht  des  Hüters  ihrer  Mutter,
Mosen  Ferer,  welchem  diese  K.  Ferdinand  übergeben,  und
und  der  wenigstens  nichts  that,  den  Trübsinn  der  Königin
durch  Milde  und  Sanftmuth  zu  lindern.  Der  Infant  Ferdinand
befand  sich  meist  bei  seinem  gleichnamigen  Grossvater  unter
der  Leitung  spanischer  Adeliger  und  des  Bischofs  von  Obispo.
So  war  von  einem  Familienleben  keine  Rede,  wenn  auch  Margarethe ­
  von  Oesterreich  den  beiden  Infantinen  und  dem  Prinzen
Karl  selbst  alle  mütterliche  Liebe  schenkte.  Die  Geschwister
standen  einander  ferne,  kannten  sich  zum  Theilc  nicht;  die
Mutter  mehr  und  mehr  dem  Wahnsinne  verfallen,  die  Grosseltern ­
  bis  zu  dem  Grabe  einander  feindlich,  so  dass  Ferdinand
einmal  einen  Agenten  Maximilians  foltern  liess.  Die  beiden
Brüder  schienen  bestimmt,  einmal  eine  feindliche  Stellung  gegen
einander  einzunehmen.  Man  konnte  sich,  als  sehr  bald  auch
die  Kunde  kam,  wie  unglücklich  es  die  vierzehnjährige  Isabella
mit  K.  Christian  getroffen,  wie  hoffnungslos  Leonore  liebe,
wie  verwahrlost  die  Erziehung  der  Infantin  Katalina  sei,
kein  grösseres  Familienunglück  denken,  als  das,  was  über
K.  Philipps  Kinder  gekommen  war.
Es  ist  nicht  bestimmt  zu  sagen,  ob  der  Prinz  Karl  von
dem  Testamente  von  Burgos  Kenntniss  hatte,  das  ihn  von  der
Nachfolge  in  Aragon  ausschloss.  Man  beobachtete  begreiflich
in  Brüssel  mit  grossem  Argwohne  Alles,  was  in  Aragon  vor
sich  ging.  Man  konnte  wissen,  dass  der  König,  von  seiner
lebenslustigen  Gattin  begleitet,  und  selbst  an  Wassersucht  leidend,
daneben  von  einer  grenzenlosen  Jagdlust  erfüllt,  der  Warnungen
der  Aerzte  spotte,  von  Ort  zu  Ort  ziehe,  seiner  Jagdlust  zu
fröhnen,  dass  sein  Leben  unmöglich  sehr  lange  mehr  währen
konnte.  Man  hatte  im  Stillen  Vorkehrungen  getroffen.  Für
eine  grosse  Summe  Geldes  hatte  sich  P.  Leo  X.  bereit  gefunden, ­
  seine  Einwilligung  zu  geben,  es  solle  Karl  Coadjutor
seines  Grossvaters  in  dem  Grossmeisterthume  der  drei  reichen
und  mächtigen  Ritterorden  von  San  Jago,  Calatrava  und  Alcantara
  werden,  auf  welchen  wesentlich  die  Macht  der  Krone
beruhte  und  die  Ferdinand  und  Isabella  dom  Adel  entzogen
und  der  Krone  zugewandt  hatten.  War  aber  Karl  hierin  das
            
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