K. Karls (V.) erstes Auftreten in Spanien.
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Pflichten lebte und der nun einem fürstlichen Knaben, dessen
Seele Kitterspiele und Schlachten erfüllten, eine gelehrte Erziehung,
feste moralische und politische Grundsätze beibringen
sollte. Trotz des ausgezeichneten Meisters, welcher am liebsten
Latein sprach und schrieb, brachte es der Infant zu einer nur
sehr massigen Kenntniss dieser diplomatischen Sprache, hingegen
aber bildete sich bei dem Erzieher eine solche väterliche Zuneigung,
eine solche Aufopferung für sein Wohl und sein
Interesse, dass Karl unbedingt in den schwierigsten Angelegenheiten
auf den ,Dechanten von Löwen' rechnen konnte.
Chievres, durch persönliche Neigung wie durch Interesse
dem französischen Hofe geneigt, hatte durch den Anschluss an
die Politik des Letzteren die Unzufriedenheit K. Ferdinands
mit dem Vorgehen des Brüsseler Hofes wesentlich erhöht.
Unzufriedene Spanier sammelten sich daselbst und ihre Klagen
fanden bei Chievres nur zu geneigtes Gehör. Uebrigens war
die ganze fürstliche Familie zerrissen. Der unmittelbare Einfluss
über dieselbe kam Maximilian und dessen Tochter
Margaretha, der Wittwe des Infanten Juan, zu, welcher der
römische König die- Niederlande und die Sorge um seinen
ältesten Enkel und dessen drei Schwestern übergeben hatte. Von
diesen wurde die im Jahre 1501 geborene Infantin Isabella,
erst für den Herzog von Geldern, dann für den ältesten
Sohn des Königs von Navarra auserlesen, im Jahre 1514 mit
K. Christian II. von Dänemark verlobt und im darauffolgenden
Jahre mit dem 34jährigen Fürsten vermählt. Die schöne
Leonore, von Maximilian erst als Braut des Herzogs von
Lothringen, dann (1515) K. Sigmunds von Polen bestimmt, befand
sich bei ihrem Bruder, Gegenstand geheimer Huldigungen
des Pfalzgrafen Friedrich bei Khein, eines Freundes ihres
Vaters, und selbst nicht Meisterin der Gefühle, welche sie für
den ritterlichen Fürsten hegte. Die Infantin Maria war wenigstens
so glücklich, nur Einem Prinzen zugesagt zu werden, dem
schwächlichen Ludwig II., Sohn des Jagellonen Wladislaus,
Königs von Böhmen und Ungarn, als dessen Verlobte sie 1512 verkündet
wurde, während die Vermählung sich bis 1521 hinauszog. 1
1 Alle diese Pläne mit seinen Enkelinen bespricht Kaiser Maximilian weitläufig
mit, seiner Tochter Margaretha. Le Glay, lettres de Maximilian et
de Marguerite. T. II.