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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

K.  Karls  (V.)  erstes  Auftreten  in  Spanien.

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Pflichten  lebte  und  der  nun  einem  fürstlichen  Knaben,  dessen
Seele  Kitterspiele  und  Schlachten  erfüllten,  eine  gelehrte  Erziehung, ­
  feste  moralische  und  politische  Grundsätze  beibringen
sollte.  Trotz  des  ausgezeichneten  Meisters,  welcher  am  liebsten
Latein  sprach  und  schrieb,  brachte  es  der  Infant  zu  einer  nur
sehr  massigen  Kenntniss  dieser  diplomatischen  Sprache,  hingegen
aber  bildete  sich  bei  dem  Erzieher  eine  solche  väterliche  Zuneigung, ­
  eine  solche  Aufopferung  für  sein  Wohl  und  sein
Interesse,  dass  Karl  unbedingt  in  den  schwierigsten  Angelegenheiten ­
  auf  den  ,Dechanten  von  Löwen'  rechnen  konnte.
Chievres,  durch  persönliche  Neigung  wie  durch  Interesse
dem  französischen  Hofe  geneigt,  hatte  durch  den  Anschluss  an
die  Politik  des  Letzteren  die  Unzufriedenheit  K.  Ferdinands
mit  dem  Vorgehen  des  Brüsseler  Hofes  wesentlich  erhöht.
Unzufriedene  Spanier  sammelten  sich  daselbst  und  ihre  Klagen
fanden  bei  Chievres  nur  zu  geneigtes  Gehör.  Uebrigens  war
die  ganze  fürstliche  Familie  zerrissen.  Der  unmittelbare  Einfluss ­
  über  dieselbe  kam  Maximilian  und  dessen  Tochter
Margaretha,  der  Wittwe  des  Infanten  Juan,  zu,  welcher  der
römische  König  die-  Niederlande  und  die  Sorge  um  seinen
ältesten  Enkel  und  dessen  drei  Schwestern  übergeben  hatte.  Von
diesen  wurde  die  im  Jahre  1501  geborene  Infantin  Isabella,
erst  für  den  Herzog  von  Geldern,  dann  für  den  ältesten
Sohn  des  Königs  von  Navarra  auserlesen,  im  Jahre  1514  mit
K.  Christian  II.  von  Dänemark  verlobt  und  im  darauffolgenden
Jahre  mit  dem  34jährigen  Fürsten  vermählt.  Die  schöne
Leonore,  von  Maximilian  erst  als  Braut  des  Herzogs  von
Lothringen,  dann  (1515)  K.  Sigmunds  von  Polen  bestimmt,  befand ­
  sich  bei  ihrem  Bruder,  Gegenstand  geheimer  Huldigungen
des  Pfalzgrafen  Friedrich  bei  Khein,  eines  Freundes  ihres
Vaters,  und  selbst  nicht  Meisterin  der  Gefühle,  welche  sie  für
den  ritterlichen  Fürsten  hegte.  Die  Infantin  Maria  war  wenigstens
so  glücklich,  nur  Einem  Prinzen  zugesagt  zu  werden,  dem
schwächlichen  Ludwig  II.,  Sohn  des  Jagellonen  Wladislaus,
Königs  von  Böhmen  und  Ungarn,  als  dessen  Verlobte  sie  1512  verkündet ­
  wurde,  während  die  Vermählung  sich  bis  1521  hinauszog. 1

1  Alle  diese  Pläne  mit  seinen  Enkelinen  bespricht  Kaiser  Maximilian  weitläufig ­
  mit,  seiner  Tochter  Margaretha.  Le  Glay,  lettres  de  Maximilian  et
de  Marguerite.  T.  II.
            
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