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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Kenne  r.

scharf  ausgedruckten  erhabenen  Buchstaben  vor;  sie  wurde
im  Raume  16  des  Frauenbades  gefunden.
Die  eingeritzten  Schriftzeichen  sind  nicht  Buchstaben
der  Cursiv-,  sondern  der  Lapidarschrift,  was  daraus  sehr  wol
erklärt  werden  kann,  dass  sie  nicht  in  den  noch  feuchten
Thon,  wie  bei  den  Ziegeln,  also  auch  nicht  während  der  Fabrication,
  sondern  lange  nach  derselben  in  den  harten  und
spröde  gewordenen  Stoff  eingegraben  wurden;  in  diesen  konnte
der  Schreibende  nicht  in  einem  Zuge  die  Zeichen  darstellen,
sondern  musste  öfter  ritzen  und  dabei  absetzen.  Dazu  eignet
sich  die  Cursivschrift  mit  dem  fliessenden  Zuge  und  den  vielen
abgerundeten  Zeichen  nicht,  wol  aber  die  aus  geraden  Linien
zusammengesetzten  Buchstaben  der  Lapidarschrift.
Die  eingeritzten  Zeichen  sind  entweder  vollausgeschriebene ­
  Personennamen,  wie  I(ul?)  REstVTVS  (Taf.  III,  ])  auf
der  Innenseite  des  schon  oben  genannten  Deckels,  oder  Reste
von  solchen,  wie  FIRMus  (Taf.  111,  2),  prIMus  (?)  (Taf.  III,  3)
Clv  .  N  .  .  .  (Taf.  III,  4)  oder  Monogramme,  deren  Auflösung
kaum  möglich  sein  dürfte  (Taf.  III,  5,  6),  oder  endlich  einzelne
Buchstaben,  wie  A,  X,  III  Der  Zweck  dieser  Namen  und
Zeichen  bestand  wol  darin,  von  mehreren  gleichen  oder  sehr
ähnlichen  Schalen  oder  Tellern  die  für  den  Gebrauch  eines
Einzelnen  bestimmten  kenntlich  zu  machen,  um  einer  Verwechslung ­
  vorzubeugen.  Die  Buchstaben  zeigen  grosse  regelmässige ­
  Linien;  von  ihren  Formen  ist  nur  eine  zu  bemerken;
es  erscheint  nämlich  in  dem  abgekürzten  Namen  CI  .  N  .  .  .
das  1  in  derselben  Weise  wie  im  Töpferstämpel  lupu  .  .  .,  es
sind  also  die  Namen  ziemlich  in  derselben  Zeit  eingeritzt  worden, ­
  in  welcher  die  Schalen  hergestellt  wurden,  wenigstens
wird  der  Zeitunterschied  zwischen  beiden  kein  zu  grosser
gewesen  sein.
Die  Vorstellungen  im  Relief  sind  die  gewöhnlichen,  alle
aber  nur  mehr  in  sehr  kleinen  Fragmenten  erhalten,  so  dass
es  oft  recht  schwierig  ist,  die  Bedeutung  der  Figuren  zu
erkennen.  Amor,  mit  Apfel  und  Fackel  schwebend,  und  Gladiatoren ­
  kommen  am  häufigsten  vor,  letztere  reihenweise  angeordnet ­
  oder  mit  Thierfiguren  aus  der  Arena  abwechselnd,  bald
frei,  bald  von  sich  schneidenden  Kreislinien  wie  mit  Bügen
eingefasst.  Ausserdem  findet  sich  Venus,  auf  einem  andern
            
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