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Höfle r.
Ehe noch dieser Brief mit seinen exorbitanten Forderungen,
die Spanien erschöpfen mussten, geschrieben war,
kamen Briefe aus Deutschland nach Spanien mit der Nachricht,
sechs Churfürsten hätten sich für Karl erklärt und wollten am
1. Januar ihn in Frankfurt verkündigen. 1 Alle versprochenen
Summen seien abgesandt. So sehr gingen aber die Meinungen
auseinander, dass Erasmus von Löwen aus am 24. October an
Warham schrieb, in Augsburg ist nichts geschehen, als dass
der Erzbischof von Mainz Cardinal wurde. Der Reichstag
wird nach Frankfurt übertragen und dort die Krönung Ferdinands
besprochen; König Karl soll bald Spanien verlassen und
nach Neapel gehen! So wenig kann man sich oft auf die Berichte
von Zeitgenossen verlassen.
Am Hofe zu Saragossa war man voll Freude. Der Brief
Maximilians war angelangt. 2 Abgesehen von dem, was für den
Churfürsten von Brandenburg bestimmt war, sollte der Cardinal
von Mainz das nächste gute castilianische Bisthum erhalten.
Spanien zahlte ja die Kosten! Der Beschluss zu Augsburg war
übrigens seiner Natur nach kein Geheimniss. Der päpstliche
Legat Campeggio theilte das Resultat dem venetianischen Gesandten
in London, Sebastian Giustiniani, bei der Tafel mit.
Allein die Ausführung des von Maximilian wohl eingeleiteten
Planes stiess, da er von zu vielen Factoren abhängig war, auf
unbesiegbaren Widerstand. Die Anforderung, welche Maximilian
an Papst Leo machte, 3 zog nicht in Betracht, dass die
Wahl eines römischen Königs bei Lebzeiten des Kaisers immer von
den Päpsten bekämpft worden war, um so mehr jetzt, da es sich
um die Vereinigung von West- und Mitteleuropa und des päpstlichen
Lehenkönigreichs Neapel mit dem künftigen Kaiserthum
handelte. Alle Traditionen der Päpste seit der Hohenstaufenzeit
sprachen dagegen. Leo beeilte sich daher nicht, dem Verlan-1
Spinelli an König Heinrich, 16. Oct. 1518. Brew. n. 4505.
2 Aber noch nicht der vom 27. Oct., da Spinelli, dem wir dies verdanken,
am 31. Oct. schrieb, n. 4544.
3 Die lettere di principi haben ein Schreiben des Card. Julius von Medici
an den Card. Bibiena, nach welchem Kaiser Maximilian sich erbot, dem
Papste Leo die Ehren zu erweisen, die er Alexander VI. und Julius II.
verweigerte und, wie der Context nachweist, nach Rom zur Kaiserkrönung
zu kommen. Der Brief ist aber falsch datirt und nicht von 1519,
sondern vom 27. März 1518.