Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Ausgrabungen  in  Windiscli-Garsten.

453

ist.  Wahrscheinlich  hat  die  heim  Brande  einstürzende  Decke
des  Raumes  43  die  suspensura  durchgeschlagen  und  theilweise
auch  die  Pfeiler  beschädigt.  Aber  so  gründlich  als  im  östlichen
Tracte  war  hier  die  Verwüstung  sicher  nicht,  weil  das  bei  der
Restauration  verwendete  Materiale  (Kugelsteine)  hier  nur  sehr
sparsam  auftritt;  auch  fand  man  hier  nur  eine  Culturschicht.
Es  lässt  sich  aus  diesen  Angaben  der  Gang,  welchen  der
Brand  genommen,  erkennen.  Er  gieng  von  Nordosten  oder
Südosten  aus  und  erstreckte  sich  in  entgegengesetzter  Richtung ­
  über  den  östlichen  Theil  des  Gebäudes,  wurde  aber
wahrscheinlich  durch  den  Luftzug  oder  die  Richtung  des  Windes ­
  (aus  Nord-  oder  Südwest)  von  dem  westlichen  Theile  des
Baues  abgehalten,  bevor  dieser  ganz  zerstört  war.
Oh  die  Katastrophe  plötzlich  hereinbrach  oder  vorhergesehen ­
  wurde,  lässt  sich  aus  keinem  Anzeichen  mehr  erkennen. ­
  Die  Fundobjecte  sind  allerdings  so  auffallend  wenig,
namentlich  das  Geräthe  und  der  einfache  Schmuck  —  um  von
Kostbarkeiten  nicht  zu  reden  —  dass  man  schliessen  sollte,
es  sei  den  Bewohnern  gelungen,  sich  rechtzeitig  mit  Hab  und
Gut  zu  flüchten.  Allein  das  Bild,  welches  die  aufgefundenen
Gegenstände  gewähren,  bezieht  sich  nicht  auf  die  erste  Zerstörung, ­
  sondern  auf  eine  zweite  ;  dieser  gieng  eine  Wiederherstellung ­
  des  Gebäudes  voraus  und,  so  eilfertig  solche  auch
geschehen  sein  mag,  so  ist  doch  zu  vermuthen,  dass  man  den
Mauerschutt  durchsucht  und  das  Werthvolle  und  Brauchbare
aufgenommen  und  geborgen  habe.
Sicherer  lässt  sich  von  der  zweiten  über  das  ganze  Gebäude ­
  erstreckten  Zerstörung  sagen,  dass  sie  vorausgesehen
werden  konnte.  Es  muss  den  Einwohnern  gelungen  sein,  fast
alle  Habseligkeiten  mit  sich  zu  nehmen,  so  dass  nur  werthloses ­
  Geräthe,  Messerklingen,  Schlüssel,  das  Thongeschirr,  Beschlägstücke
  und  dergleichen  zurückblieb.  Die  Asche,  welche
man  1—6  Zoll  dick,  in  verschiedener  Tiefe  in  allen  Theilen
der  Ausgrabung,  vorzüglich  aber  im  südlichen  vorfand,  deutet
darauf  hin,  dass  auch  diese  zweite  Zerstörung  mit  einem
Brande  verbunden  gewesen  sei.  Vielleicht  steht  damit  die
eigenthümliche  Erscheinung  im  Zusammenhänge,  dass  sich  so
viele  Kiefer-,  Schneide-  und  Backenzähne  von  Einhufern  im
südlichen  Theile  des  Gebäudes  vorfanden.  Wahrscheinlich  hat
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.