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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Ausgrabungen  in  Windiscli-Garsten.

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Bisher  sind  die  einzelnen  Fundobjecte,  welche  bei  den
Ausgrabungen  von  Windischgarsten  zu  Tage  kamen,  nur  in
so  ferne  genannt  worden,  als  der  Platz  ihrer  Auffindung  —
was  nur  bei  wenigen  der  Fall  war  —  angegeben  ist  und  als
sie  für  die  Erkenntniss  der  einstigen  Bestimmung  einzelner
Räume  wichtig  sind.  Auch  sind  einige  Erscheinungen,  die  sich
zeigten  und  die  mit  der  Feststellung  des  ursprünglichen
Zweckes  der  Bauanlagen  nichts  zu  thun  haben,  wol  aber  für
die  Geschichte  derselben  von  Belang  sind,  übergangen  worden.
Es  handelt  sich  nun  mehr  darum,  diese  Erscheinungen
und  die  Fundobjecte  einer  Untersuchung  zu  unterziehen,  um
zu  einem  Ergebnisse  über  die  Schicksale  der  mansio  zu  gelangen ­
  und  dabei  zu  sehen,  ob  die  Merkmale  der  mitgefundenen ­
  Objecte  mit  der  oben  angegebenen  Bestimmung  der  Zeit
ihrer  ersten  Erbauung  im  Einklänge  stehen  oder  nicht.
Die  wichtigste  Erscheinung  zeigte  sich  an  der  Ostseite
des  Gebäudes,  d.  i.  in  den  Räumen  1—30;  man  fand  hier  zwei
Culturschichten:  zu  oberst  eine  6  Zoll  starke  gute  Ackerkrume, ­
  unter  dieser  eine  Schicht  von  Steinen  und  Mörtel,
welche  3  Zoll  mächtig  war,  auf  diese  wieder  folgte  Lehm,  2  Fuss
tief.  Diese  Culturschiclit,  die  jüngere,  ist  also  2  Fuss  9  Zoll
stark;  in  der  Tiefe  von  1  '/ 2  Fuss  fand  man  die  meisten  Münzen,
von  welchen  noch  die  Rede  sein  wird.  Unter  der  Lehmschicht
fand  sich  eine  zweite  ältere  Culturschiclit;  sie  zeigte  zu  oberst
eine  1  , / 2  Zoll  starke  Lage  von  Holzkohlen,  dann  Mörtel  und
Mauerschutt  mit  Bruchstücken  von  Gefässen  aus  terra  sigillata.
Ebenso  kamen  im  Raume  62  die  oben  genannten  Eisenschuhe ­
  zur  Schonung  der  Hufe  von  Maulthieren  unterhalb  des
Steinpflasters,  das  man  dort  fand,  zum  Vorschein.
Damit  lässt  sich  verbinden,  dass,  wie  gleichfalls  schon
bemerkt  wurde,  im  Raume  46  ein  sehr  grosser  noch  völlig
unbehauener  Stein  angetroffen  wurde;  nahe  bei  dem  langgestreckten ­
  Reste  eines  Estrichbodens,  der  vom  Raume  38
gegen  die  Umfassungsmauer  sich  hinzieht,  fand  man  etwa
3'/,  Fuss  gelöschten  Ivalkes,  ungefähr  die  Ladung  eines  Schiebkarrens ­
  voll.  Auch  gehört  es  hieher,  dass  man  nach  den  beim
Baue  verwendeten  Gesteinarten  und  der  ungleichen  Bauart  der
Hypocausten  zwei  Bauperioden  unterscheiden  kann.  Endlich
wurden  viele  thierische  Ueberreste  gefunden,  welche  der  Landes-
            
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