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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Ausgrabungen  in  Windisch-Garsten.

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der  Sache  begründeten  und  thatsächlich  constant  beobachteten
Regel  kehrte  man  die  Fronte  der  Castelle  gegen  jene  Seite
hin,  woher  ein  Angriff  des  Feindes  zunächst  erwartet  werden
konnte.  Dies  kann  für  Windischgarsten  nur  die  Nordwestseite
gewesen  sein,  indem  das  von  Bergen  umschlossene  Thal  nur
von  dieser  Seite  einen  Zugang  aus  den  Donaugegenden  hatte;
es  mündet  hier  die  schon  öfter  besprochene  Bergschlucht,  die
über  Tutatio  (Klaus)  in  das  Alpenvorland  und  die  Stromebenen
hinausführt.  Die  transdanubianischen  Germanen,  welche  von
der  Donau  aus  vordrangen  und  den  Uebergang  über  den  Pirn
gewinnen  wollten,  konnten  zu  diesem  nicht  anders  gelangen,
als  durch  jenen  Pass,  sie  mussten  das  Castell  von  Ernolatia
im  Nordwesten  angreifen,  seine  Fronte  musste  also  eben  dahin
gerichtet  sein.
Es  war  aber  kurz  vorher  die  Rede  davon,  dass  die
Fronte  des  Gebäudes,  welchem  unsere  Ausgrabungen  angehören, ­
  vielmehr  nach  Südwesten  gerichtet  war.  Auch  würden  ja,
wenn  man  gleich  annehmen  wollte,  dass  die  Nebenbauten  nicht
hinter,  sondern  an  der  Seite  des  Gebäudes  gestanden  hätten,
dass  mithin  dessen  Fronte  nicht  nach  Südwesten,  sondern  nach
Nordwesten,  in  der  Richtung  der  Strasse  nach  Seebach,  gerichtet ­
  gewesen  wäre,  das  aufgegrabene  Gemäuer  also  doch
dem  Castelle  hätte  angehören  können,  —  es  würden  in  diesem ­
  Falle  die  Wirthschaftsgebäude  mit  ihrem  hölzernen  Oberbau ­
  nahe  an  die  Fronte  zu  stehen  gekommen,  folglich  den
Schleuderbränden  der  Feinde  auch  zunächst  ausgesetzt  gewesen ­
  sein.  Dies  ist  ganz  undenkbar;  schon  das  ist  durchaus
unwahrscheinlich,  dass  man  so  ausgedehnte  Räume,  die  mit
dem  Zwecke  des  Castelles  in  keiner  directen  Verbindung  stehen, ­
  in  dieses  selbst  verlegt  haben  sollte.
Endlich  was  sollte  wol  in  einem  Castelle  eine  zweifache
Badeanlage,  von  der  obendrein  die  eine,  wie  nach  den  Fundobjecten ­
  zu  schliessen  ist,  für  Frauen  bestimmt  war.
Die  Existenz  eines  Castelles  in  Ernolatia  steht  allerdings
ausser  Zweifel,  nur  muss  es  auf  einem  andern  Platze,  als  welchen ­
  die  Ausgrabungen  einnehmen,  gesucht  werden.  Es  ist
nun  nicht  die  Aufgabe  dieser  Untersuchung,  den  wahrscheinlichsten ­
  Platz  desselben  anzugeben.  Aber  so  viel  sei  noch  bemerkt, ­
  dass  das  ausgegrabene  Gebäude  mit  der  nach  Nord-
            
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