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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Ausgrabungen  in  Windisch-Garsten.

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Umfassungsmauer  ruhte,  so  müsste  eine  überwölbte  Durchfahrt
von  4  Klafter  Breite  und  2  Klafter  Länge  vorausgesetzt
werden,  was  ausser  allem  Yerhältniss  zu  andern  Thorbauten
stünde,  1  und  namentlich  viel  zu  grossartig  und  kostspielig  im
Verliältniss  zur  übrigen  Anlage  des  Baues,  überdies  endlich
zwecklos  gewesen  wäre.
So  viel  aber  steht  fest,  dass  die  Pfeilerreste  nur  eine
constructive  Bedeutung  haben  können.  Sie  sind  sicher
nichts  anderes  als  Streben  zur  Verstärkung  des  Mauerwerkes.
Nur  fragt  sich,  ob  sie  schon  am  ursprünglichen  Baue  bestanden, ­
  oder  erst  später  zugebaut  wurden.  Eine  deutlich  sprechende ­
  Erscheinung  am  Baue  selbst  lässt  das  letztere  für  gewiss ­
  erscheinen.  Man  fand  nämlich  an  der  Mauer,  an  welche
die  Streben  angebaut  sind,  unten  einen  Sockel,  der  6  Zoll  weit
vorsprang,  aber  nur  an  der  Mauer  selbst  hinlief,  nicht  auch
an  den  Pfeilerresten;  vor  dem  ersten  derselben  hört  er  vielmehr ­
  auf,  im  Zwischenräume  zwischen  beiden  erscheint  er
wieder,  hier  1  Fuss  breit,  vor  dem  zweiten  bricht  er  abermals ­
  ab.  Würden  die  Pfeiler  schon  ursprünglich  an  die  Mauer
angebaut  worden  sein,  so  würde  der  Sockel  auch  um  sie  herumgeführt ­
  erscheinen.  Dies  ist  nicht  der  Fall,  vielmehr  ist  der
Sockel  von  den  Pfeilern  stellenweise  verdeckt  worden,  letztere
sind  also  ein  späterer  Zubau.  Wahrscheinlich  hat  an  der  Stelle,
wo  der  stärkere  Pfeiler  aufgebaut  wurde,  früher  eine  Thüre
in  dem  Raume  1  bestanden,  durch  welche  letzterer  mit  der  Gasse
in  Verbindung  stand;  denn  es  ist  durchaus  unwahrscheinlich,
dass  man  in  die  Schmiede  nur  mittelst  einer  hölzernen  Treppe
—  und  sie  müsste  aus  Holz  gewesen  sein,  da  man  keine  Spur
von  einer  gemauerten  oder  steinernen  fand  —  aus  einem  Oberraume
  habe  gelangen  können.
Das  Vorhandensein  von  Resten  später  zugebauter  Strebepfeiler ­
  nöthigt  weiter  zu  der  Voraussetzung,  dass  in  einer  jüngeren ­
  Zeit  das  gedachte  Viereck  (1  —  7)  die  Bestimmung  erhalten ­
  habe,  einen  schwereren  Oberbau  zu  tragen  als  früher,
etwa  in  der  Art  eines  kleinen  Thurnies,  für  dessen  Last  die
Stärke  der  im  Grunde  vorhandenen  Mauern  als  nicht  aus-1
  Die  Masse  der  Breite  der  Thorwege  von  zwölf  verschiedenen  römischen
Bogen  siehe  zusammengestellt  in  den  Berichten  und  Mittheilungen  des
Wiener  Alterthumsvereines.  X.  (Jahrgang  1866)  S.  19ö.
            
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