Die Ausgrabungen in Windisch-Garsten.
427
Südost nach Nordwest. Sehr wahrscheinlich sind die Tracte,
deren Mauerwerk vorlängst ausgeh oben wurde und nun fehlt, in
entsprechender Richtung gruppirt gewesen, so dass der ganze
Bau ein Viereck bildete, dessen Seiten nicht genau nach den
Weltgegenden gerichtet waren, sondern einen Winkel mit diesen
bildeten.
Die Bestimmung der einzelnen Räume nach ihrer einstigen
Verwendung ist sehr schwierig, da die charakteristischen
Zuthaten fehlen und nur die nackten Mauern und auch diese
wieder meist nur im Grundbau zu erkennen sind. An einzelnen
Stellen ragten sie allerdings sechs Fuss hoch empor; zumeist
waren sie aber bis zum Niveau des Erdbodens zusammengebrochen
; gegen Norden nimmt die Höhe namentlich
rasch ab.
Doch sind noch einige versteckte Merkmale vorhanden,
die einen Anhalt für Schlussfolgerungen in dieser Beziehung
gewähren. Erstlich fallen in beiden Tracten Räume von ausserordentlich
geringer Breite auf. So im südöstlichen Tracte der
Raum 12, der nur 18 Zoll breit ist, dann der Raum 15, der
nur 26 Zoll, und der Raum 18, der wieder nur 19 Zoll in der
Breite misst. Dieselbe Breite zeigt im nordwestlichen Tracte
der Raum 44. Diese Räume sind so schmal, dass sie nicht
als Gänge zur Communication gedient haben können, zumal,
da sie, wie bei 12 und 15 ersichtlich ist, sich gerade neben
einem Gange (11) befinden, und da sie wenig mehr als eine
Klafter lang sind. Für die Erkenntniss ihres Zweckes ist es
von Wichtigkeit, dass in ihrer Nähe zw r ei Hypocausten zu
Tage kamen. Das besser erhaltene in dem Raume 43, der
17 Fuss lang und 13 Fuss breit ist, zeigt die bekannte Construction:
über dem Boden eine Lage von Bachschotter, darüber
ein 2 Zoll starker Cementguss; auf diesem 22 Pfeiler, von denen
einer jetzt nicht mehr vorhanden ist und zwei durch eine
Mittelmauer vertreten werden. Die Pfeiler sind 25 Zoll hoch,
18 Zoll breit, aus Kugel- und Kalkschiefersteinen aufgemauert und
stehen 20 Zoll von einander ab. Sie tragen zunächst ein Gewölbe
(suspensura) von Tuffstein, wie er in den nahen Orten Edlach
und Vorderstoder bricht, darüber eine Kohlenschicht von 2 Zoll,
wahrscheinlich zur Abhaltung der Feuchtigkeit, über dieser den
gegossenen 5 Zoll dicken Fussboden, aus einem Gemenge von
28*