Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Ausgrabungen  in  Windiscb-Garsten.

425

in  alten  Zeiten  Zerstörungen  an  den  Resten  der  Gebäude
stattgefunden,  so  dass  die  Ausgrabungen  nur  einen  kleinen
Theil  des  Römerortes  darstellen.  Gegen  Norden  zu  verloren
sieb  sämmtliche  Mauerreste  ohne  einen  genügenden  Abschluss
im  Boden;  man  bat  dort  gegen  den  Hafnerschen  Obstgarten  im
'Nordosten  mehrfache  Aushebungen  im  Erdreich  gemacht  und
Topfscherben  sowie  Münzen,  aber  nicht  die  geringste  Spur
von  alten  Bauten  gefunden;  ja  die  Arbeiter  selbst  waren  im
Zweifel,  ob  die  dort  ausgegrabenen  Steine  Mauerreste  oder
zufällige  Lagerungen  seien.  Offenbar  hat  man  hier  schon  früher ­
  die  alten  Mauern  zerstört,  die  sich  also  noch  weiter  gegen
den  Ort  zu  fortsetzten.  Sehr  wahrscheinlich  ist  solches  schon
im  hohen  Mittelalter  geschehen  und  mag  ein  guter  Theil  von
Windischgarsten  aus  den  Steinen  der  alten  Römerstadt  aufgebaut ­
  worden  sein,  was  auch  durch  die  Sage,  dass  eben  von
dieser  Stelle  aus  der  Ort  seinen  Anfang  genommen  habe,  bestätigt ­
  wird;’  auch  anderwärts  geschah  und  geschieht  noch
jetzt  Aelmliches  sehr  häufig.  Ein  Gleiches  zeigt  sich  auch  im
Westen  und  Südwesten.  Die  kleine  nach  Seebach  führende
Strasse  war  überhaupt  die  Grenze  der  Ausgrabungen,  jenseits
derselben  wurde  nicht  weiter  nachgeforscht;  aber  auch  diesseits
stiess  man  auf  ein  beträchtliches  Areale,  auf  welchem  sich
die  Mauerspuren  plötzlich  verloren  und  nur  einige  kleine
Theile  und  Ecken  übrig  geblieben  sind,  die  von  der  einstigen
Fortsetzung  in  dieser  Richtung  Zeugniss  geben.
Nach  Norden  und  Westen  lässt  sich  also  der  Umfang  des
Römerortes  nicht  mehr  bestimmen.  In  Süden  dagegen  stiess
man  etwa  100  Klafter  vom  Dambache  entfernt  auf  einen
Rest  der  alten  Umfassung,  eine  Mauer,  die  sich  durch  eine
grössere  Dicke  (4  Fuss)  von  den  übrigen  unterscheidet  und  in
einer  Länge  von  11  Klaftern  aufgedeckt  wurde  (Plan,  Tafel  I;  84). 2
An  dem  einen  Ende  brach  sie  ab,  an  dem  anderen  zeigen  sich
1  Ich  muss  hiezu  bemerken,  dass  Herr  Pf.  Oberleitner  im  Protokolle  über
den  Fund  eine  andere  Ansicht  ausspricht.  Nach  derselben  entstand  die
oben  genannte  Sage  erst  vor  etwa  30  Jahren  und  wurde  eben  durch  die
damaligen  Erscheinungen  —  das  Durchfallen  der  Eisenstauge  und  die
Auffindung  von  vielen  Ziegelstücken  —  veranlasst.
-  Der  Plan  ist  nach  dem  eingesendeten,  vom  k.  k.  Bezirksförster  Leopold
Lutz  gezeichneten  Originalplane  reduciert.
Sitznngsber.  d.  pliil.-hist.  CI.  LXXIY.  Bd.  II.  Hft.  28
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.