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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karl's  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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während  er  offen  erklärte,  er  könne  jetzt  nicht  mit  den
Venetianern  brechen  und  den  Vertrag  von  Cambray  erfüllen.
Karl  entschuldigte  sich  durch  seine  gegenwärtigen  dringenden
Geschäfte  in  Spanien,  verlangte  aber  Nachlass  von  50,000  Goldkronen ­
  von  100,000,  die  König  Ferdinand  an  König  Ludwig  XII.
für  Neapel  zu  zahlen  verpflichtet  war,  von  welchen  aber  letzterer
selbst  nur  die  Hälfte  gezahlt  hatte. 1  Der  französische  Botschafter, ­
  welcher  meinte,  das  werde  die  Freundschaft  nicht  fördern, ­
  erhielt  eine  ziemlich  schroffe  Antwort,  der  Dompropst
von  Utrecht  aber  den  Auftrag,  Franz  milde  zu  stimmen,  jedoch
auch  sehr  entschiedene  Weisungen  in  Betreff  Karls  Bewerbungen ­
  um  die  Kaiserkrone,  2  die  ihm  als  aus  kaiserlichem  Geschlechte
  zukomme,  mit  Abweisung  der  Bewerbung  eines  Nichtdeutschen. ­
  Die  beiden  Gesandten  trafen  den  König  endlich
in  Saumur.  Er  war  bereits  unterrichtet  von  dem  pecuniären
Verlangen  König  Karls,  sowie  dass  er  bereit  sei,  die  Princessin
Louise  bei  sich  aufzunehmen  und  sie  wie  seine  künftige  Frau
zu  ehren,  was  auf  König  Franz  einen  nichts  weniger  als  günstigen ­
  Eindruck,  den  er  auch  bei  der  Audienz  den  Gesandten
hinlänglich  zu  erkennen  gab,  machte.  In  der  That  war  auch  aus
der  beabsichtigten  und  wie  nun  sich  zeigte  beschworenen  Zusammenkunft ­
  der  beiden  Könige  zur  Bekräftigung  des  Friedens
etwas  ganz  anderes  geworden.  Man  war  französischer  Seits
eher  auf  alles  gefasst,  als  auf  die  Ausreden  des  Herrn  de  la
Chaux  und  die  Sprache,  die  er  führte.  Franz  hatte  die  Ueberzeugung
  gewonnen,  König  Karl  wolle  ihn  täuschen.  Der  lange
Bericht  der  Gesandten  über  ihre  Unterhandlungen,  von  Angers
den  7.  Juni  1518  3 ,  macht  auch  den  Eindruck  einer  vollständig
gescheiterten  Mission.  4  Es  stand  wohl  damit  in  Verbindung,
dass  König  Heinrich  und  König  Karl  den  Vertrag  vom  Jahre
1506  erneuten.
Abgesehen  von  der  Gewitterwolke,  die  sich  in  Frankreich
zusammenzog,  schienen  die  Dinge  in  Betreff  der  Wahl  sich

1  Lanz,  monumenta,  n.  23,  24.  Instructionen  König  Karls  an  seine  Gesandten. ­

2  Lanz  I.  S.  61.
3  Le  Glay  X.  n.  42.
4  Spinelli  berichtet  darüber  am  21.  Juni.  Brew.  n.  4244.
            
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