Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

34

H5  fl  e  f.

mussten,  seinen  eigenen  Geldmangel  in  den  Vordergrund  gestellt ­
  und  bezweifelt  hatte,  dass  König  Franz  wirklich  so  grosse
Summen  aufwenden  werde.  Maximilian  versicherte  ihn,  dass
es  so  sei,  dass  er  dadurch  Oesterreich  und  Burgund  sichern
werde.  Mit  100,000  Goldgulden,  über  welche  Courteville  verfüge, ­
  könne  man  aber  auf  die  Fürsten  und  ihre  Umgebung  nicht
genügend  einwirken.  Die  Franzosen  betrieben  ihre  Unterhandlungen ­
  mit  baarem  Gelde  und  da  man  nicht  immer  Karls
Anweisungen  erwarten  könne,  müsse  er  dem  Kaiser,  Courteville,
Villingerund  Renner  seineVollinachten  überlassen,  sonst  könnte,
bis  seine  Antwort  einlaufe,  alles  umgestürzt  werden;  dem  Pfalzgrafen ­
  die  Landvogtei  von  Hagenau  zu  überlassen,  die  er  (der
Kaiser)  erworben  habe,  könne,  wenn  auch  schwer,  geschehen,
sobald  seine  und  seiner  Nachkommen  Freundschaft  für
Oesterreich  dadurch  gewonnen  würde.  Mit  dem  Herzoge
Georg  von  Sachsen,  der  um  30,000  fl.  sein  Anrecht  auf  Friesland ­
  König  Karl  überlassen,  wolle  er  selbst  unterhandeln.
Er  werde  versuchen,  ob  die  geistlichen  Churfürsten  sich  mit
einer  Pension  von  4000  Goldgulden  jährlich  begnügen  würden,
da  sie  so  gut  wie  die  weltlichen  schon  grössere  Pensionen  von
Frankreich  bezögen.  Dem  Sohne  des  Churfürsten  Joachim
habe  er  selbst  die  Hand  der  Infantin  Katelina  versprochen.
Franz  von  Sickingen  müsse  gewonnen,  den  Wormsern  der  ihnen
von  diesem  angerichtete  Schaden  von  20,000  fl.  vergütet
werden.  Der  Pfalzgraf  sollte  80,000  fl.  für  die  Landvogtei  erhalten. ­
  1  Da  Herzog  Ludwig  von  Baiern  die  Hand  der  Königin ­
  Johanna  von  Neapel  nicht  wolle,  solle  man  ihm  die  Hand
der  vielumworbenen  Tochter  des  Gran  Capitan  Gonsalvo  von
Cordova  geben,  die  übrigens  König  Heinrich  VIII.  für  den
Herzog  von  Urbino  verlangt  hatte.  Die  Infantin  Leonora  solle
nicht  mit  dem  (alten)  Könige  von  Portugal,  sondern  mit  dessen
Sohne  vermählt  werden,  wenn  nicht  mit  Herzog  Wilhelm  von
Baiern,  dem  Haupte  des  baierischen  Hauses,  dessen  Vorfahren
gewöhnlich  sich  mit  Königskindern  verbanden.  Maximilian
rieth  ferner  dem  Könige,  gleich  den  Franzosen,  die  ihre
Botschafter  mit  grossem  Aufsehen  hereinsenden,  zu  handeln

1  S.  129.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.