Karl’s I. Wahl zum römischen Könige.
33
aller andern Churfürsten beseitigen. Sie müssten daher von
Spanien gewonnen werden, koste es, was es wolle. Man vermöge
jedoch dem französischen Plane, Madame Renee mit dem
ältesten Sohne des Churfürsten von Brandenburg zu vermählen,
nichts entgegen zu stellen als die Vermählung desselben mit
Karls jüngster Schwester, der Infantin Katharina, welche sicli
bei ihrer Mutter aufhielt. Während aber die Franzosen die
höchste Thätigkeit entwickelten, hüllten sich die Spanier in
Unthätigkeit ein. Der Kaiser meinte jedoch, wenn der König
für Geld sorge, werde er die Churfürsten für sich haben. Bereits
konnten die englischen Gesandten, welche sich nach
Calatayud zu König Karl begeben hatten, von da berichten,
Chievres und der Kanzler hätten ihnen eröffnet, wie König Franz
mit vollen Segeln nach dem Kaiserthume steuere; 1 er habe den
Papst veranlasst, Albrecht von Brandenburg und noch einen
Churfürsten zum Cardinal zu ernennen. Das Anerbieten, die
Madame Renee an den ältesten Sohn des Churfürsten Joachim
zu vermählen, sei erfolgt, Courteville dahin gesandt worden mit
vielem Gelde dagegen zu wirken und die Heirath mit der Infantin
in den Vordergrund zu stellen. 2 Beinahe gleichzeitig
mit diesem Berichte, der erst von Saragossa am 12. Mai abgesandt
wurde, war ein Schreiben des Kaisers aus Innsbruck
vom 18. Mai an König Karl, nachdem der kaiserliche Rath
Jean de Courteville am Hofe Maximilians eingetroffen war, angelangt.
Der Kaiser eröffnete seinem Enkel, er habe die Unterhandlungen
mit den Churfürsten begonnen und erwarte das
Beste. 3 Er habe zu diesem Ende einen Hoftag ansgeschrieben
(une journee imperiale) und hoffe die Angelegenheit daselbst
zu Ende zu führen. Er bezog sich auf ein früheres Schreiben
König Karls, der sich über die Masse und Höhe der Pensionen
und Gnadengehalte beschwert hatte, die nach der Meinung
der kaiserlichen Räthe Villinger und Renner ausgetheilt werden
1 Greth about covertly and layeth many baits to attain to the empire.
n. 4160.
2 Cannot imagine that this marriage will täte place but it will act
as a stay.
3 Le Glay, negoeiations diplomatiques entre la France et l'Autriche. Paris
1845. X.
Sitzuugsber, d. phil.-hist. CI. I.X X1V . Bd. I. Hft. 3