Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Zur  Geschichte  und  Chronologie  von  Khwärizm.

311

Schlachtfeld,  um  die  Todten  zu  begraben  und  die  Verwundeter
zu  pflegen.  Durch  neuen  Zuzug  verstärkt,  rückte  er  dann
vorwärts  und  die  Khwärizmier  baten  um  Frieden.  Ismail,
Shukr  und  ihre  Partei  fürchteten  von  ihren  eigenen  Soldaten
verrathen  und  ausgeliefert  zu  werden;  sie  entflohen  zu  den
Seldschuken  am  Samstag  den  22.  Rajab  432.  Zuerst  wurden
sie  von  den  Seldschuken  gut  behandelt,  späterhin  aber  gefangen
gesetzt  und  in  kurzer  Frist  war  der  letzte  Fürst  aus  dem
Hause  Altüntäsh  sammt  seinem  Anhänge  verschollen.
Shähmalik  hielt,  nachdem  die  Verhältnisse  in  der  Hauptstadt ­
  wieder  einigermassen  geordnet  waren,  seinen  festlichen
Einzug,  bestieg  den  Thron  am  Donnerstag  Mitte  Sha'bän  432
und  liess  am  folgenden  Freitag  in  der  Hauptmoschee  vor  den
versammelten  Grossen  und  Volk  die  Kkutba  im  Namen  des
Khalifen,  des  Sultan  Mas'üd  und  in  seinem  eigenen  Namen
lesen.  In  demselben  Jahre  wurde  Mas'üd  entthront  und  im
folgenden  Jahre  433  in  der  Burg  Kiri  getödtet.  Seinen  Nachfolger ­
  Maudüd  erkannte  Shähmalik  als  seinen  Souverain  an
(Ibn  Al’athir  IX,  346).
Die  Herrschaft  Shähmaliks  sollte  nicht  von  langem  Bestände ­
  sein.  Die  Seldschuken  hatten  ihre  Abrechnung  mit  ihm
nicht  aufgegeben,  sondern  nur  verschoben;  sie  waren  mittlerweile ­
  die  unbeschränkten  Gebieter  Khuräsäns  geworden.  Nicht
lange,  nachdem  Ismä'il  und  Shukr  zu  ihnen  geflohen  waren,
zog  Cakrbeg  Dä’üd  (433)  gegen  Khwärizm,  wurde  aber  von
Shähmalik  zurükgetrieben.  Im  folgenden  Jahre  (434)  nahmen
beide  Brüder,  Toghrulbeg  und  Cakrbeg,  einen  neuen  Zug.  Shährnalik
  musste  sich  in  seine  Hauptstadt  einschliessen,  wo  ihn
die  Seldschuken  ohne  Erfolg  belagerten.  Als  aber  diese  einen
Rückzug  fingirten  und  Shähmalik  die  Stadt  verliess,  um  sie  zu
verfolgen,  wurde  er  gänzlich  geschlagen.  Er  selbst  entkam  mit
seinen  Schätzen;  jeden  ferneren  Widerstand  aufgebend  wollte
er  zu  Maudüd  nach  Ghazna  fliehen  und  irrte  in  Dahistän,
Tabas,  Karmän,  Altiz  und  Makrän  wie  ein  gescheuchtes  Reh
umher.  In  letzterem  Lande  wurde  er  von  Artäsh,  einem  Vetter
des  Toghrulbeg,  gefangen  genommen  und  an  Dä’üd  ausgeliefert. ­
  Was  mit  ihm  geschehen  ist,  wird  nicht  erwähnt;  wahrscheinlich ­
  wurde  er  getödtet  (Vullers,  Geschichte  der  Seldschuken ­
  48).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.