Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Zur  Geschichte  und  Chronologie  von  Khwarizm.

309

und  beide  zogen  mit  den  Garden  aus  der  Stadt  (vermuthlich
gegen  die  Verschworenen).  Am  Freitag  den  20.  Jumädä  I.
entstand  ein  neuer  Aufruhr  in  der  Stadt.  Nun  endlich  kam
Abd-aljabbär  aus  seinem  Versteck  heraus,  sammelte  seinen
Anhang  und  zog  nach  dem  fürstlichen  Palast.  Sobald  Shukr
von  seinem  Wiedererscheinen  erfuhr,  eilte  er  in  die  Stadt  zurück ­
  und  auf  dem  Maidän  kam  es  zu  einem  förmlichen  Treffen
zwischen  beiden  Parteien.  Shukr,  der  die  alten  Soldaten  des
Altüntash  auf  seiner  Seite  hatte,  gewann  die  Oberhand,  "Abdaljabbar
  wurde  von  seinem  Elephanten  herabgeschossen  und
seine  Leiche  durch  die  Strassen  geschleppt.  Die  Gegenpartei
musste  fliehen.  Jetzt  kehrt  auch  der  neu  creirte  Fürst  Ismä'il
Khandän  zurück  und  zieht  7.  Jumädä  II.  in  den  Palast  ein.
Die  Huldigung  erfolgte  kurz  darauf  am  Sonntage  den  9.  Jumada
II.  A.  H.  426.
Der  listige  Anschlag  'Abdalsamads  war  also  fehlgeschlagen
und  hatte  die  Ermordung  seines  eigenen  Sohnes  zur  Folge
gehabt.  Sultan  Mas'üd  war  nach  Empfang  der  Nachrichten  von
den  Unruhen  in  Khwarizm  aufgebrochen  von  Ghazna,  um  nach
Khwarizm  zu  ziehen,  musste  jedoch  diesen  Plan  wegen  der
winterlichen  Jahreszeit  aufgeben.  So  zog  er  nach  Jurjän  gegen
Anüshirwan  beu  Minücihr.  In  Jurjän  erhielt  er  die  Nachricht
des  Abd-aljabbär  von  der  Ermordung  Härüns,  und  erfuhr  bald
darauf  den  ganzen  Verlauf  der  Sache.  Ibn  Al’athir  IX,  346.
Bestürzung  herrschte  in  Mas'üds  Staatsrath.  Der  Vezir  wusste
keinen  anderen  Rath  als  im  geheimen  an  den  Kämmerer  Alptegin
  und  die  anderen  von  Mahmud  in  Khwärizm  zurückgelassenen ­
  Heeresobersten,  sowie  an  Abü-Sa'id  Sahl  und  Abü-alkäsim
  Iskäfi  Boten  abzusenden  und  sie  aufzufordern  das  Interesse ­
  ihres  legitimen  Herren  wahrzunehmen  und  —  wenn  möglich ­
  —  sich  der  Leitung  der  Angelegenheiten  zu  bemächtigen.
Als  dann  die  wenig  tröstliche  Antwort  einlief,  dass  Shukr  alle
Macht  in  Händen  habe,  dass  der  Fürst  sich  mit  Essen,  Trinken
und  Jagen  beschäftige  und  dass  Khwärizm  nur  mit  Waffengewalt ­
  zum  Gehorsam  zurückgebracht  werden  könne,  gab  Mas'üd
diese  Provinz  als  verloren  auf,  da  zu  gleicher  Zeit  die  Verhältnisse ­
  in  Khuräsän,  Rai  und  Indien  drohende  Gestalt  annahmen

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.