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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Zur  Geschichte  und  Chronologie  von  Klnvärizm.

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der  Rache  eines  Nachbarfürsten  preiszugeben,  das  bedenkliche
Experiment  unternommen  hätte,  sie  aus  der  Ferne  in  sein  Land
zu  rufen.  Ferner  hätte  Albaihaki,  ein  vortrefflich  unterrichteter ­
  Zeitgenosse  dieser  Ereignisse,  für  den  Harun  nur  der  rebellische ­
  Statthalter  war,  schwerlich  etwas  verschwiegen,  was
sich  in  dieser  Sache  zu  seinem  Nachtheil  sagen  Hess.  Dem
gegenüber  ist  das  Zeugniss  späterer  Chronisten  (Ibn  Al’athir
starb  nach  628  und  Mirchond  903)  von  geringem  Gewicht.
Auch  wäre  Haruns  Sohn,  als  er  durch  Shähmalik  von  Thron
und  Vaterland  vertrieben  wurde,  schwerlich  zu  denselben  Leuten
geflohen,  über  welche  sein  Vater  namenloses  Elend  gebracht.
Albaihakis  Bericht  gewährt  eine  natürliche  Erklärung  aller
Thatsachen.  Harun  durfte  nicht  erwarten,  dass  seine  Schilderhebung ­
  ungeahndet  bleiben  würde,  er  musste  sich  auf  einen
Krieg  mit  Mas'üd  gefasst  machen  und  in  dieser  Lage  konnten
ihm  die  Seldschuken  als  Hülfstruppen  vortreffliche.  Dienste
leisten.
Harun  war  bestürzt,  als'  er  von  dem  Ueberfall  Shahmaliks
erfuhr.  Sofort  schickte  er  im  geheimen  Boten  an  die  Seldschuken, ­
  liess  ihnen  Versprechungen  machen  und  beruhigte  sie
soweit,  dass  sie  zu  ihrer  früheren  Ansiedelung  zurückkehrten
und  sich  bald  —  mit  Härüns  Hülfe  —  von  diesem  Schlage
erholten.  Andrerseits  sandte  er  einen  Boten  an  Shähmalik
und  beschwerte  sich,  dass  dieser  seine  Bundesgenossen  geschädigt ­
  habe;  zugleich  forderte  er  ihn  auf  seine  Feindschaft  gegen
die  Seldschuken  aufzugeben  und  sich  mit  ihm  zu  einem  gemeinsamen ­
  Feldzuge  nach  Khurasän  zu  vereinigen.  Shähmalik ­
  schlug  eine  Zusammenkunft  vor;  er  wolle  am  östlichen
Oxus-Ufer  heranziehen  und  Harun  solle  ihm  am  westlichen
Ufer  entgegen  kommen;  nach  Abschluss  des  Vertrages  sollten
die  beiden  Fürsten  in  einem  Boot  auf  dem  Oxus  Zusammentreffen. ­
  Zu  einem  Bündniss  war  er  bereit,  wollte  aber  von
seiner  Feindschaft  gegen  die  Seldschuken  nicht  ablassen.  Am
3.  Dhü-alhijja  425  trafen  beide  Parteien  an  dem  verabredeten
Orte  ein,  Harun  aber  mit  so  grossem  militärischen  Gefolge,
dass  Shähmalik  Angst  bekam  und  in  der  folgenden  Nacht
schleunigst  entwich.
Nachdem  auf  diese  Weise  der  Versuch,  in  Shähmalik
einen  Alliirten  zu  gewinnen,  gescheitert  war,  sah  er  sich  dar-
            
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