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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Goldbacher.  Ueber  Handschriften  der  Briefe  des  Augustinus.

sieht  man,  dass  etwas  aus  einem  Briefe  an  Evodius  da  war,
wovon  aber  nur  mehr  2  Zeilen  lesbar  sind.
Schliesslich  noch  einige  Worte  über  den  Cod.  CCVIII,
204.  Derselbe  ist  im  XV.  Jahrhunderte  auf  Papier  geschrieben
und  enthält  auf  14  Blättern  (von  Fol.  50b  bis  Fol.  64a)  55
noch  unedirte,  dem  Augustinus  zugeschriebene,  aber  durchaus
unechte  Briefe  und  am  Ende  noch  ein  Stück  mit  dem  Titel:
Augustinus  de  praedestinatione  declaratio.  Die  Briefe  sind
meist  sehr  klein,  mehrere  bestehen  nur  aus  5  —  6  Zeilen,  und
die  Form  sowohl  als  der  Inhalt  lassen  dieselben  gleich  in  den
ersten  Zeilen  als  ein  elendes  Machwerk  eines  Scholastikers
erkennen.  In  einem  einzigen  Briefe,  dem  42.,  citirt  hier  Augustinus ­
  zugleich  den  Priscianus,  den  Boethius,  ja  sogar  den  Avicenna!
  Beim  46.  Briefe  scheint  es  schon  frühzeitig  einem  Leser
oder  Abschreiber  zu  arg  geworden  zu  sein;  denn  am  Ende
des  Briefes  steht  von  derselben  Hand:  hec  augustin’.  utru  tn
häc  epl’a}  scrips’it  augustin’  tpf  sui  erroris  ignoro  tn  parisius
(so!)  scripta  est.  Von  diesen  Briefen  eine  Abschrift  zu  nehmen
war  mir  damals  noch  nicht  gestattet;  ich  habe  daher  nur  den
30.  39.  42.  43.  46.  50.  54.  und  55.  als  Probe  copirt.
Das  ist  das  Ergobniss  der  halbjährigen  Reise.  Für  die
Briefe  des  Augustinus  glaubt  Referent  das  auf  den  italienischen
Bibliotheken  vorhandene  und  ihm  bekannte,  brauchbare  Material ­
  vollständig  gesammelt  zu  haben  und  kann  versichern,  dass
die  Collationen  mit  möglichster  Sorgfalt  gemacht  und  bei  den
ältesten  Handschriften  theilweise  auch  einer  zweiten  Durchsicht
unterzogen  worden  sind.  Für  die  Texteskritik  wird  diese  Arbeit ­
  jedenfalls  von  Belang  sein  und  zwar  um  so  mehr,  als  die
italienischen  Handschriften  vielfach  in  Lesearten  und  Wortstellungen ­
  übereinstimmend  von  der  Ausgabe  der  Mauriner
abweichen,  die  vorzugsweise  französische  Handschriften  ihrem
Texte  zu  Grunde  gelegt  haben.
Rühmend  hervorzuheben  ist  endlich  noch  die  grosse  Bereitwilligkeit ­
  und  Zuvorkommenheit,  mit  der  man  an  den  Bibliotheken ­
  Italiens  dies  Unternehmen  unterstützt  und  gefördert  hat.
            
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