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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Goldbaeber.

Noch  bevor  Referent  seine  Reise  angetreten  hat,  konnte
er  durch  die  gütige  Vermittelung  einer  li.  k.  k.  Statthalterei
von  Steiermark  zwei  Handschriften  der  St.  Gal  len  er  Bibliothek
hieher  nach  Graz  bekommen.  Es  sind  dies  die  Codd.  174  und
139.  Der  erste  ist  aus  dem  IX.  Jahrhundert  und  enthält  auf
194  Folioseiten  42  Briefe;  er  ist  schön,  aber  sehr  fehlerhaft
geschrieben  und  hat  die  Hand  eines  übrigens  geschickten  Correctors
  erfahren,  der  ohne  Hilfe  eines  anderen  Codex  durch
blosse  Conjectur  die  Fehler  auszubessern  suchte.  Die  Randbemerkung ­
  auf  der  ersten  Seite:  Liber  optimus  nimis  autem
vitiose  scriptus.  Hunc  ego  quidam  corrigere  per  me  exemplar
aliud  non  habens  si  poteram  temptavi;  ergo  ubi  minus  potui
r  litteram  apposui,  nihil  autem  nisi  ubi  certissimus  eram
abradere  volui;  omnia  vero  quae  ascripsi,  sanioris  lectoris
arbitrio  reliqui  ist  daher  wohl  von  derselben  Hand,  wie  die
Correcturen.  Von  den  Maurinern  ist  diese  Handschrift  zwar
Tom.  VII.  append.  S.  1  einmal  erwähnt,  aber  eine  weitere
Benützung  derselben  ist  aus  ihrem  kritischen  Apparate  nicht
zu  ersehen.  So  viel  mir  bis  jetzt  ein  Urtheil  gestattet  ist,  wird
sie  wohl  auch  kaum  von  bedeutendem  Gewinne  sein.
Der  andere  Cod.  Gail.  139  saec.  XI.  enthält  38  Briefe
und  zwar  mit  Ausnahme  der  drei  letzten  dieselben  und  fast
in  derselben  Ordnung  wie  Gail.  174.  Er  ist  ganz  werthlos,  da
er  nur  eine  genaue,  in  den  Ueberschriften  und  hie  und  da
auch  in  den  Citaten  aus  der  Bibel  etwas  verkürzte  Abschrift
jenes  Codex  ist,  und  zwar  mit  Aufnahme  aller  jener  Correcturen, ­
  die  dort  über  dem  Texte  geschrieben  stehen.  Auch  seine
drei  letzten  Briefe  bieten  keine  bedeutenden  Lesearten  '.
In  Rom  habe  ich  die  Collationen  auf  der  vaticanischen
Bibliothek  in  folgender  Ordnung  angefertigt:
Cod.  Palat.  211  saec.  X.  Er  enthält  auf  117  Blättern
16  Briefe,  ist  deutlich,  aber  minder  sorgfältig  geschrieben;
theilweise,  besonders  im  letzten  Viertel,  ist  die  Schrift  etwas
ungleich,  aber  doch  wohl  immer  von  derselben  Hand.  Von
besonderer  Güte  ist  er  nicht,  hat  jedoch  manche  interessante
1  Von  diesem  Codex  ist  dann  wiederum  direct  abgeschrieben  der  Cod.
35  A  saec.  XI.  oder  XII.  der  Schafhausener  Bibliothek;  die  Abweichungen,
die  in  dieser  Handschrift  sich  liier  und  da  finden,  sind  nur  Versehen
oder  absichtliche  Aenderungen.
            
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