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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roesler.  Die  Aralseetrage.

was  nun  freilich  der  geographische  Versificator  selbst  nicht
erkannte.
Die  Massageten  wohnten  aber  hiernach  im  Balkangebirge,
sodann  in  dem  coupirten  Terrain,  welches  sich  im  Süden  des
Ust-jurt  hinzieht  und  wol  auch  noch  ein  gutes  Stück  auf  diesem;
doch  lässt  sich  die  nördliche  Grenze  nicht  ziehen.  Mit  dieser
Auffassung  ausgerüstet,  versteht  man  erst  die  in  ihrer  Anwendung ­
  auf  den  unteren  Jaxartes  ganz  unbegreifliche  Nachricht
bei  Justinus  (1,  8),  dass  die  Skythen,  welche  ja  eben  nach
Herodots  ausführlicherem  Berichte  Massageten  waren,  den  König
Kyros  in  Engpässe  (angustias)  lockten,  und  dass  sie  ihm  in
den  Bergen  (in  montibus)  Vernichtung  bereiteten.  Drei  Tagemärsche ­
  vom  Oxus  (den  ier  statt  Herodots  Araxes  Justinus
auf  Grund  guter  späterer  Quellen  nennt)  trifft  gerade  in  das
Bergland  des  Balkangebirges,  des  höchsten  jener  Gegenden.
Man  begreift  nun  auch,  dass  es  nicht  ungemessener  Ehrgeiz
des  Kyros  war,  gerade  gegen  die  Massageten  die  Waffen  zu
wenden;  die  räuberischen  Einfälle,  die  sie  gleich  den  heutigen
Turkmanen  aus  nächster  Nähe  zu  unternehmen  vermochten
und  gewiss  auch  unternahmen,  mussten  den  Grosskönig  antreiben ­
  ,  die  Grenze  zu  überschreiten  und  die  Feinde  auf
ihrem  eigenen  Boden  aufzusuchen.  Es  lag,  wenn  wir  recht
urtheilen,  im  wolverstandenen  Interesse  des  persischen  Königs,
gerade  hier  eine  sichere  Grenzlinie  herzustellen.
Ich  halte  denn  auch  nichts  für  verkehrter,  als  wenn  die
Einen  die  Massageten  aus  so  naher  Nachbarschaft  Persiens
bald  in  den  Norden  von  Chiwa  und  in  die  Gegend  zwischen
dem  Aral  und  dem  Ural  (Forbiger),  oder  die  Anderen  (Smith)
sie  zwischen  Altai  und  Aral  verlegen.  Durch  solchen  geographischen ­
  Verstoss  wurde  es  auch  leichter,  die  Massageten  den
Mongolen  zuzuzählen,  wie  einige  der  bedeutendsten  deutschen
und  fremden  Forscher  (Niebuhr,  Boeckh,  Humboldt,  Schafarik
u.  a.)  gethan  haben.
Welche  Gründe  aber  bestimmend  genug  erscheinen  konnten, ­
  um  den  Arxes  mit  dem  Jaxartes  zu  identificiren,  habe
ich  noch  nicht  eingesehen;  gewiss  hat  die  Assonanz  mit  der
Tradition  im  Bunde  dabei  den  grössten  Einfluss  geübt.
            
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