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Roesler. Die Aralseetrage.
was nun freilich der geographische Versificator selbst nicht
erkannte.
Die Massageten wohnten aber hiernach im Balkangebirge,
sodann in dem coupirten Terrain, welches sich im Süden des
Ust-jurt hinzieht und wol auch noch ein gutes Stück auf diesem;
doch lässt sich die nördliche Grenze nicht ziehen. Mit dieser
Auffassung ausgerüstet, versteht man erst die in ihrer Anwendung
auf den unteren Jaxartes ganz unbegreifliche Nachricht
bei Justinus (1, 8), dass die Skythen, welche ja eben nach
Herodots ausführlicherem Berichte Massageten waren, den König
Kyros in Engpässe (angustias) lockten, und dass sie ihm in
den Bergen (in montibus) Vernichtung bereiteten. Drei Tagemärsche
vom Oxus (den ier statt Herodots Araxes Justinus
auf Grund guter späterer Quellen nennt) trifft gerade in das
Bergland des Balkangebirges, des höchsten jener Gegenden.
Man begreift nun auch, dass es nicht ungemessener Ehrgeiz
des Kyros war, gerade gegen die Massageten die Waffen zu
wenden; die räuberischen Einfälle, die sie gleich den heutigen
Turkmanen aus nächster Nähe zu unternehmen vermochten
und gewiss auch unternahmen, mussten den Grosskönig antreiben
, die Grenze zu überschreiten und die Feinde auf
ihrem eigenen Boden aufzusuchen. Es lag, wenn wir recht
urtheilen, im wolverstandenen Interesse des persischen Königs,
gerade hier eine sichere Grenzlinie herzustellen.
Ich halte denn auch nichts für verkehrter, als wenn die
Einen die Massageten aus so naher Nachbarschaft Persiens
bald in den Norden von Chiwa und in die Gegend zwischen
dem Aral und dem Ural (Forbiger), oder die Anderen (Smith)
sie zwischen Altai und Aral verlegen. Durch solchen geographischen
Verstoss wurde es auch leichter, die Massageten den
Mongolen zuzuzählen, wie einige der bedeutendsten deutschen
und fremden Forscher (Niebuhr, Boeckh, Humboldt, Schafarik
u. a.) gethan haben.
Welche Gründe aber bestimmend genug erscheinen konnten,
um den Arxes mit dem Jaxartes zu identificiren, habe
ich noch nicht eingesehen; gewiss hat die Assonanz mit der
Tradition im Bunde dabei den grössten Einfluss geübt.