Die Aralseefrage.
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erklärt sich aus dem Umstaude sehr wohl, dass der Araxes
durch seine damalige caspische Mündung den Anwohnern des
caspischen Meeres im Süden und Westen, von welchen eben
Nachrichten bis nach Olbia am schwarzen Meere gelangten,
ungleich näher gerückt war, als jeder andere der Binnenströme
Asiens. Noch weiss aber Herodotos keinen zum Flussgebiete
Araxes gehörigen Nebenfluss zu nennen. Der erste, der uns mit
solchen in einer 348 n. Chr. bereits abgefassten Schrift bekannt
macht, ist Aristoteles, er nennt, wie wir oben sahen,
ausser dem Araxes den Baktros und Zariaspes, also zwei
Flüsse des Oxus-, oder wie auch Aristoteles noch schreibt, des
Araxessystems, sodann aber auch den Tanais, der sich vom
Araxes abzweigen sollte, um in die Maeotis zu fallen. 1 Wie
diese Verwirrung zwischen dem Tanais und Jaxartes zu erklären
sein möchte, habe ich oben gezeigt. Dass aber dieser
Meinung von einer Abzweigung eines asiatischen Tanais vom
Araxes ein Gerücht von der Zusammengehörigkeit der beiden
Zwillingsflüsse zum Grunde liegt, scheint mir keine zu kühne
Vermuthung zu sein. Und dass der sich von dem Araxes abzweigende
Tanais in der That der Jaxartes ist, beweisen uns
die Makedonier, welche ihn Tanais nannten, obgleich der Name
local nicht bekannt war, und ihn für den in die Maeotis fallenden
Tanais hielten, Alexandros selbst und ,das Volk des lanzenkundigen
Königs'; beweist uns dann Polybios, dessen Aspasiaken,
eine wie Lassen 2 vielleicht mit Recht meint, allgemeine
Bezeichnung der arischen Reitervölker Turans, zwischen Oxus
und Tanais wohnhaft genannt werden, während sie bekanntlich
zwischen Oxus und Jaxartes sassen.
Die Grundlage des Polybios und Aristoteles werden wir
für dieselbe halten dürfen; und sie ist gewiss keine andere als
Hecataeos, der ältere Zeitgenosse des Herodotos, denn dieselbe
Nachricht, welche wir bei Aristoteles vom Tanais lesen, gibt
auch die Weltbeschreibung des Ungenannten, der unter dem
Namen Skymnos der Chier bekannt ist, und zwar mit Berufung
auf Hecataeos:
1 Die Stelle siehe oben S. 51.
1 Zur Geschichte der baktrischen und indoskythischen Könige. S. 22Ö.