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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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erklärt  sich  aus  dem  Umstaude  sehr  wohl,  dass  der  Araxes
durch  seine  damalige  caspische  Mündung  den  Anwohnern  des
caspischen  Meeres  im  Süden  und  Westen,  von  welchen  eben
Nachrichten  bis  nach  Olbia  am  schwarzen  Meere  gelangten,
ungleich  näher  gerückt  war,  als  jeder  andere  der  Binnenströme
Asiens.  Noch  weiss  aber  Herodotos  keinen  zum  Flussgebiete
Araxes  gehörigen  Nebenfluss  zu  nennen.  Der  erste,  der  uns  mit
solchen  in  einer  348  n.  Chr.  bereits  abgefassten  Schrift  bekannt ­
  macht,  ist  Aristoteles,  er  nennt,  wie  wir  oben  sahen,
ausser  dem  Araxes  den  Baktros  und  Zariaspes,  also  zwei
Flüsse  des  Oxus-,  oder  wie  auch  Aristoteles  noch  schreibt,  des
Araxessystems,  sodann  aber  auch  den  Tanais,  der  sich  vom
Araxes  abzweigen  sollte,  um  in  die  Maeotis  zu  fallen. 1  Wie
diese  Verwirrung  zwischen  dem  Tanais  und  Jaxartes  zu  erklären ­
  sein  möchte,  habe  ich  oben  gezeigt.  Dass  aber  dieser
Meinung  von  einer  Abzweigung  eines  asiatischen  Tanais  vom
Araxes  ein  Gerücht  von  der  Zusammengehörigkeit  der  beiden
Zwillingsflüsse  zum  Grunde  liegt,  scheint  mir  keine  zu  kühne
Vermuthung  zu  sein.  Und  dass  der  sich  von  dem  Araxes  abzweigende ­
  Tanais  in  der  That  der  Jaxartes  ist,  beweisen  uns
die  Makedonier,  welche  ihn  Tanais  nannten,  obgleich  der  Name
local  nicht  bekannt  war,  und  ihn  für  den  in  die  Maeotis  fallenden ­
  Tanais  hielten,  Alexandros  selbst  und  ,das  Volk  des  lanzenkundigen ­
  Königs';  beweist  uns  dann  Polybios,  dessen  Aspasiaken,
  eine  wie  Lassen 2  vielleicht  mit  Recht  meint,  allgemeine
Bezeichnung  der  arischen  Reitervölker  Turans,  zwischen  Oxus
und  Tanais  wohnhaft  genannt  werden,  während  sie  bekanntlich
zwischen  Oxus  und  Jaxartes  sassen.
Die  Grundlage  des  Polybios  und  Aristoteles  werden  wir
für  dieselbe  halten  dürfen;  und  sie  ist  gewiss  keine  andere  als
Hecataeos,  der  ältere  Zeitgenosse  des  Herodotos,  denn  dieselbe
Nachricht,  welche  wir  bei  Aristoteles  vom  Tanais  lesen,  gibt
auch  die  Weltbeschreibung  des  Ungenannten,  der  unter  dem
Namen  Skymnos  der  Chier  bekannt  ist,  und  zwar  mit  Berufung ­
  auf  Hecataeos:

1  Die  Stelle  siehe  oben  S.  51.
1  Zur  Geschichte  der  baktrischen  und  indoskythischen  Könige.  S.  22Ö.
            
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