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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roesler.

Einen  neuen  positiven  Beweis  gegen  die  Mündung  des
Jaxartes  in  deii  Aralsee,  einen  letzten  für  die  Nichtexistenz  des
Sees  in  der  Zeit  von  1300—1500  soll  Kaiser  Zehir  el-din  Muhainmed
  Bah  er  liefern,  der  Stifter  des  mongolischen  Reichs  in
Indien.  Derselbe  hat  in  tschagataischer  Sprache,  dem  türkischen
Dialekte  seiner  Heimath,  Denkwürdigkeiten  geschrieben,  die
unter  dem  Namen  Baber-name  bekannt  und  geschätzt  sind.  Dieser
nun  berichtet:  Der  Fluss  Sihün,  den  man  auch  Fluss  von  Ohodschand
  nennt,  kommt  von  Nordost  und  fliesst  dann  in  westlicher
Richtung  durch  die  Mitte  des  Landes  (Fergana).  Im  Norden
von  Chodschand  und  südlich  von  Fenakand,  welches  jetzt  allgemein ­
  unter  dem  Namen  Shalirochieh  bekannt  ist,  wendet  er
sich  nordwärts  und  fliesst  gegen  Turkistän,  wo  er  sich  mit  Ungestüm ­
  im  Flugsande  verliert,  ohne  sich  in  einen  andern  Fluss
oder  in  ein  Meer  zu  ergiessen.  An  diesem  Strome  befinden  sich
sieben  Städte,  fünf  am  südlichen,  zwei  am  nördlichen  Ufer. 1
Was  bei  dieser  Mittheilung  des  Sultans,  dem  man  eine
genaue  Kenntniss  der  Topographie  des  gesammten  Aralgebietes
zuschreiben  will,  auffallt,  ist  ihre  äusserste  Kürze.  Es  ist  dies
nicht  die  umständliche  Beschreibung  eines  der  ein  geographisches ­
  Object  genau  kennt;  soviel  hätte  auch  der  Compilator
eines  geographischen  Handbüchleins  in  der  Entfernung  von
1000  Meilen  schreiben  können.  Wer  die  gesammte  Beschreibung
von  Fergana  in  Baber-name  aufmerksam  liest,  erkennt  auch
sogleich,  wo  der  Sultan  recht  zu  Hause  war.  Das  war  in  Andidschan,
  seiner  und  seines  Vaters  Residenz,  wo  die  köstlichsten
Trauben  und  Melonen,  gedeihen,  Melonen,  die  nach  unserem  in
Früchten  feinschmeckerischen  Sultan  nirgends  in  der  Welt
besser  sind  als  hier  und  in  Achsia.  Er  kennt  das  gartenreiche
Kasan  und  Chodschend,  dessen  Granatäpfel  so  gerühmt  werden,

1  J.  Klaproth,  Memoires  relatifs  a  TArie.  Paris  1826.  2,  128.  II  se  retourne
au  nord  et  coule  vers  le  Turkestän,  oü  il  se  perd  avec  impetuosite  dans
les  sables  mouvans,  sans  se  meler  k  aucun  autre  fleuve  ni  k  aucune  autre
mer.  Bei  John  Leyden,  The  Memoirs  of  Baber,  London  1826,  S.  1  lautet
die  Stelle  thence  (Shakrokhia),  inclining  to  the  north,  flows  down  towards
Turkestän;  and  meeting  with  no  other  river  in  its  course,  is  wholly
swallowed  up  in  the  sandy  desert  considerably  below  Turkestän,  and
disappears.
            
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